Heimat – Was ist das eigentlich für uns?

Heimat: Ein Feld im Sonnenuntergang
Treffpunkt: "Hochsitz auf dem Feld." Auch das ist für viele Menschen Heimat. Foto: unsplash.com

Google definiert Heimat als das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt. Aber so einfach ist es nicht. Denn es ist auch ein Gefühl, mit dem man bestimmte Erinnerungen verknüpft. Doch warum ist dieser Begriff so schwer zu begreifen?

Marc Brost und Heinrich Wefing haben sich für das „Zeit Magazin“ mit der Frage auseinandergesetzt, was genau Heimat ist. Dort stellen sie fest, dass es eine neue Sehnsucht nach Heimat gibt, einer Art festen Boden unter den Füßen in stürmischen Zeiten.

Heimat ist etwas sehr Individuelles, jeder verbindet etwas anderes damit. Für mich ist Heimat eine Art Wohlfühlzone, an diesem Ort ist alles bis zu einem gewissen Grad kalkulierbar: die Nachbarn, die Dönerbude an der Ecke, die Kassiererin im Supermarkt, mein Hund, meine Familie. In gewisser Weise mein kleiner Kosmos. Heimat spiegelt aber auch Gefühle, Gerüche und Erinnerungen wieder. Wenn ich Waldmeister rieche, fühle ich mich sofort an meine Zeit im Kindergarten zurückversetzt. Nach jedem Ausflug stand für uns Kinder im Kindergarten der Waldmeistersaft bereit.

Patria est, ubicumque est bene. –

Die Heimat ist da, wo auch immer es mir gut geht. (Cicero)

Am stärksten spüre ich das Gefühl, wenn ich für ein paar Tage nicht zu Hause war. Egal wie schön es im Urlaubsort war, egal wie viel besser das Leben dort und wie schlecht die Umstände hier erscheinen. Sobald ich aber mein gewohntes Umfeld aus dem Autofenster erblicken kann, überkommt mich sofort ein Gefühl der Glückseligkeit. Hier fühle ich mich wohl, ich weiß, wann meine U-Bahn kommt, ich kenne die Menschen, die hier wohnen und wie sie gestrickt sind. Für andere wäre meine Gegend vielleicht nicht wohnenswert, aber ich habe hier alles, was ich brauche.

Trotz der schönen Gefühle mit dem Wort Heimat, gibt es Menschen, die ihr gewohntes Zuhause verlassen um einen neuen Ort zu finden. Oder wiederum andere sind fast nur unterwegs und jetten um den Globus. Dann gibt es noch Menschen, die Heimat für Orte empfinden, in die sonst niemand einen Fuß setzen würde, wenn sie nicht müssten. Ein Krankenhaus ist nur einer dieser Orte. Viele Menschen verbringen dort leider oft einen Großteil ihres Lebens. Obwohl ihr behütetes Umfeld im Kreise ihrer Familie und oft an einem ganz anderem Ort sein müsste, ist das Krankenhaus ungewollt zu ihrer Heimat geworden.

Jeder hat also, wie eingangs erwähnt, seine eigene Definition von Heimat. Marc Brost und Heinrich Wefing haben ihre eigene Definition mit diesen wunderschönen Worten gefunden:

 

Heimat ist ein Gefühl, das die Menschen trägt.

Heimat ist eine Sehnsucht, die sie nie loslässt.

Heimat ist ein Bedürfnis, das jeder Mensch verspürt.

Heimat, das sind die Fäden aus tausend Erinnerungen, die einen Menschen halten und binden. Es sind die Fäden, die er manchmal abschneiden möchte, die ihn aber niemals loslassen. Sie machen einen Menschen erst zu dem, was er ist.

Vielleicht ist Heimat nicht dort, wo man geboren wurde. Sondern dort, wo man irgendwann einmal begraben werden möchte.

Janin Zimmermann hat für uns eine Liebeserklärung an Berlin geschrieben.

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