Shisha-Café KONAK mal was ganz anderes

Zur Shisha einen Shake
Zur Shisha einen Shake (Foto: KONAK Berlin)

Dass die Shisha-Bar in der Badstraße 12 geschlossen hat, ging an den Berliner Weddingern nicht vorbei. Als aber klammheimlich ein neuer Laden eröffnete, bekam das zunächst kaum jemand mit. Gewollt. Bei frisch aufgebrühtem Schwarztee erzählt der neue Besitzer Mazlum Firat dem Radarmagazin, wie er das Shisha-Café KONAK bekannt machen will und warum Frauen besonders erwünscht sind.

Radarmagazin: Wie bist du zu dieser Bar gekommen?

Ich wollte schon immer eine Shisha-Bar aufmachen. Neben meiner Arbeit habe ich mich immer nach einem passenden Standort umgeschaut. Durch die Empfehlung von einem Freund habe ich Anfang 2016 eine Bar in der Boxhagener Straße übernommen. Aber das war nicht so meine Welt. Ich bin in Wedding aufgewachsen und wollte gern hier eine Bar oder ein Café aufbauen. Wenn man Wedding hört, sind die meisten ein bisschen skeptisch. Hier sind nur Männer-Cafés oder Bars mit Spielautomaten. Genau das hat mich gereizt. Es fehlt etwas. Ich habe gesehen, dass es hier in der Bar nicht so gut läuft. Nach einem Gespräch mit dem Geschäftsführer habe ich die Bar schließlich übernommen und das Lokal in der Boxhagener Straße im Sommer 2017 abgegeben.

Radarmagazin: Wie? Du bist einfach zu dem Besitzer gegangen und hast gesagt, dass du den Laden gern übernehmen möchtest?

Wedding ist sehr beliebt. Hier gibt es keinen leerstehenden Raum. Die Besitzer der zu vermietenden Läden, waren gegen die Gastronomie-Idee. Die Shisha-Bar hier in der Badstraße hat eine sehr große Fläche. Das war für mich optimal. Meine Freunde meinten, Fragen kostet nichts. Also habe ich das Gespräch mit dem Chef gesucht. Er hatte nicht so viel Erfahrung in der Branche und auch dementsprechend Probleme, den Laden zu führen. Wir haben uns schnell geeinigt.

Radarmagazin: Wie sieht dein Konzept aus?

Ich lege viel Wert auf meine Gäste und schaue, dass sie gut durchmischt sind. Größere Gruppen von Männern sind nicht so gern gesehen. Die sprechen wir an und bitten sie, mit ihren Freundinnen wiederzukommen. Die meisten verstehen das auch. Zigaretten rauchen, ist nicht erwünscht. Viele fragen mich, warum. Das ist mein Konzept. Gerade hier in Wedding läuft vieles über Mundpropaganda. Die Leute kennen sich und reden über Neuigkeiten. So werden hoffentlich immer mehr Menschen auf den Laden aufmerksam. Ich denke, dass es auch einige gibt, die es nicht gut finden, dass sie hier nicht rauchen dürfen und somit auch schlecht darüber reden. Das ist aber trotzdem gut für mich, weil es Werbung ist und bleibt. So erfahren auch Leute davon, die sich vielleicht darüber freuen, dass sie eine Shisha rauchen können, ohne später nach Zigaretten zu riechen. Alkohol steht übrigens auch nicht auf der Karte. Der Fokus liegt aber auf der Wasserpfeife. Die Shishas habe ich extra importiert. Bei jeder Geschmacksrichtung habe ich mir etwas gedacht und natürlich alle selbst ausprobiert. Die Shisha muss einfach stimmen. In einem Döner-Laden muss der Döner perfekt sein. In einem Shisha-Café die Shisha. Der Geschmack sollte intensiv sein, der Rauch dicht und kratzen sollte es schon gar nicht. Da macht die Kohle auch eine Menge aus. Sie sollte groß sein und nicht so viel aschen. 30 bis 40 min muss sie schon durchhalten, damit man auch was davon hat.

Für mich gab es Red Ice (Foto: Julia Heine)

Radarmagazin: Warum bietest du keinen Alkohol an? Hast du schlechte Erfahrungen damit gemacht?

Ich trinke selber keinen Alkohol. Ich denke die meisten Leute können sich damit anfreunden, hier ihren Tee oder ihre Limo zu trinken. Das KONAK ist quasi ein Café. Ein Lokal, in dem es Alkohol gibt und man Shisha rauchen kann, ist eine Shisha-Bar. Und in einem Café gibt es eben keinen Alkohol. In Bars geht man ja eher am Wochenende. Weil ich aber keine alkoholischen Getränke anbiete, kommen die Leute auch unter der Woche. Klar habe ich Freitag, Samstag und Sonntag viel mehr Umsatz. Habe aber dafür auch unter der Woche Einnahmen, die die anderen Bars eher weniger oder vielleicht gar nicht haben. Es gibt bereits jetzt, wenige Wochen nach Eröffnung, Stammkunden. Und diese kommen auch in der Woche.

Radarmagazin: Einrichtung und Karte sind ja sehr schlicht gehalten..

Bevor ich den Laden gekauft habe, hat mir die Inneneinrichtung nicht so gefallen. Damit konnte ich mich überhaupt nicht identifizieren. Was Neues musste her. Ich war in ganz Deutschland in Shisha-Bars. In vielen verschiedenen Städten. Ich wollte etwas anderes, etwas Besonderes machen. Deshalb habe ich mich auch für viele kleine Glühbirnen an der Decke entschieden. Das habe ich so ein einer Shisha-Bar noch nicht gesehen. Wir ließen alles mit Holz verkleiden und halten die Sitzgelegenheiten schlicht und elegant. Das ist ein ganz schöner Kontrast zu Wedding insgesamt. Eventuell kommen noch einige Bilder an die Wand, aber sonst bleibt es schlicht. In diesem Stadtteil von Berlin gibt es ja mehr kleinere Eckläden. Die meisten sind erst mal überrascht, wenn sie hier reinkommen und 300m² vor sich haben. So wollen wir uns abheben. Auch das Getränkeangebot sollte komplett anders aussehen. In meiner alten Bar standen 150 Cocktails auf der Karte. Die Leute waren dadurch oft unentschlossen. Daher biete ich den Gästen nur einige warme Getränke, Softdrinks und ein paar alkoholfreie Cocktails und Shakes an. Diese Sachen müssen dafür perfekt sein. So möchte ich den Gästen die Entscheidung erleichtern und den ganzen Bestellvorgang vereinfachen. Service ist das A und O.

Mazlum Firat ist der Besitzer des Café KONAK (Foto: Julia Heine)

Radarmagazin: Vor allem in Shisha-Bars lässt der Service oft zu wünschen übrig. Wie möchtest du deinen Gästen eine gute Bedienung garantieren?

Der Laden ist erst seit ein paar Wochen geöffnet. Wir haben noch nicht sehr viel Werbung gemacht. Das war eine bewusste Entscheidung. Eigentlich kündigt man Monate oder Wochen vorher die Eröffnung an. Aber in den ersten Tagen ist der Service eh noch nicht perfekt. Da wird auch ab und zu mal was fehlen. Am ersten Tag habe ich erst mal meine Freunde eingeladen. Das war wie ein kleiner Testlauf. Da konnte ich mir einen Überblick verschaffen. Tatsächliche haben noch einige Sachen gefehlt und der Service hat gehakt. Am zweiten Tag habe ich direkt alles Nötige besorgt. Im Meeting mit den Mitarbeitern haben wir besprochen, an welchen Punkten wir uns verbessern müssen. So steigern wir uns von Tag zu Tag. Da lege ich viel Wert drauf.

Radarmagazin: Warum ist dir der Mix aus Männern und Frauen so wichtig?

Hier im Kiez gibt es viele Männer-Cafés. Aber die Frauen gehen da nicht hin. Sie fühlen sich nicht wohl zwischen so vielen Männern. Diesen Wohlfühlfaktor wollte ich unbedingt hier herbringen. Also wenn eine Gruppe aus vielen Männern kommt, sprechen wir sie an und erklären unser Konzept. Wir sind ein gemischtes Café. Das verstehen die meistens auch und kommen beim nächsten Mal einfach mit ein paar Frauen wieder.

Radarmagazin: Das verstehen sie wirklich?

Natürlich! Wenn man mit den Leuten freundlich redet, zeigen sie Einsicht. Entweder kommen sie nächstes Mal mit ihren Freundinnen oder sie kommen eben gar nicht wieder. Aber die Erfahrungen aus den ersten Wochen sind wirklich positiv!

Es ist Samstag gegen 16 Uhr. Einige Gäste (auch Frauen) sitzen bei Tee und Wasserpfeife zusammen. Firat steht immer wieder auf, macht neue Getränke und kommt dann zurück zu unserem Interview. Ein Mitarbeiter kümmert sich um Kohle für die Shishas.

Radarmagazin: Du übernimmst einen Großteil der Arbeit selbst.

Genau, ich mache den Laden auf und abends wieder zu. In der Spät- und Nachtschicht habe ich noch einige Mitarbeiter. Ich möchte meine Gäste kennenlernen. Sie sollen hier eine gute Zeit haben. Ich arbeite 15 bis 16 Stunden am Tag, aber ich bin zufrieden. Im Endeffekt arbeite ich ja für mich. Der Laden ist mehr ein Zuhause als meine Wohnung. Da verbringe ich täglich nur wenige Stunden, um zu schlafen. Ich bin jeden Tag hier. Es tut mir gut zu sehen, dass sich die Leute hier wohlfühlen und positiv überrascht sind.

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