Im Gespäch mit einem professionellen Computerspieler

Jan „Chimmy“ Kaiser ist ein professioneller „Hearthstone“-Computerspieler, auch eSportler genannt. Er verdient mit seinem Team Prismatic und dem bestreiten von Turnieren Geld. Als Manager des dreiköpfigen Teams zeigt er große Verantwortung, doch auch andere ambitionierte Spieler fördert er.

Radarmagazin: Wie bist du professioneller Computerspieler geworden und wie hat sich das genau entwickelt?
Jan: Es hat viel damit zu tun, dass schon mein Vater eine große Affinität zu Videospielen hatte. Schon in seiner Jugend hat er sich für Videospiele interessiert und mir dann in meiner Kindheit die eine oder andere Konsole herangeschafft. Da ich so mit Computerspielen früh in Kontakt gekomme bin, bin ich mehr oder weniger, in diese Berufssparte hineingerutscht.

Radarmagazin: Wie bist du auf den Namen „Chimmy“ gekommen und zu Prismatic?
Jan: Der Name Chimmy hat keinen sonderlich spannenden Hintergrund. Ich bin in der achten Klasse von meinen Mitschülern Chimmy genannt worden. Mir gefiel er, also habe ich ihn so übernommen. Mir wurde von Prismatic eine Coachposition in der „Hearthstone“-Sektion angeboten. Das war auch der Zeitpunkt an dem Simon Denimblue7″ van de Sand  und Alexander xBlaine“ Kruse Teil des Teams wurden.

Radarmagazin: Wolltest du das schon immer machen? Was gab es für Alternativen?
Jan: Die Idee eSports zu machen stand nicht immer im Vordergrund. Ganz im Gegenteil. Daran hatte ich lange gar nicht gedacht, bis es sich einfach ergeben hat. Ich studiere Informatik und mit dem eSport verdiene ich mein Geld. Es haben sich mir dadurch neue Wege eröffnet. Beispielsweise die Berufsoption in China, welche durch das Spielen bei einem lokalen Turnier und dem Knüpfen von Kontakten entstanden ist.

Radarmagazin: Wie hast du dir dein Können angeeignet?
Jan: Wie die meisten, habe ich mir das weitestgehend selber angeeignet, bevor ich für diverse Teams gespielt habe. Wenn einem die logische Denkweise liegt, die man für Hearthstone“ braucht, dann kommt das spielerische Können einfach mit der Zeit. Jedoch gibt es immer Tricks und Kniffe, die man mit der Zeit von anderen Spielern aufschnappt. Sei es im Training mit jemandem, bei einer Liveausstrahlung oder eventuell durch vorher angeschaute Guides und Tutorials.

Radarmagazin: Wie oft trainierst du?
Jan: Ich trainiere derzeit fast gar nicht, da ich momentan auf sehr wenige Turniere fahre. Das ist bei Spielern, die regelmäßig an Turnieren teilnehmen, anders. Simon, einer meiner Teammitglieder, trainiert zum Beispiel fast täglich. Oft mit Leuten aus anderen Teams oder auch für sich allein, um seine Strategien für Turniere nicht preiszugeben. Das kann auf viele Stunden an einem Tag hinauslaufen, falls man mal ein Turnier spielt. Zu meinen Zeiten, als ich selber noch bei Teams als Spieler unter Vertrag stand, habe ich meist fünf bis acht Stunden pro Tag trainiert. Jedoch waren das flexible Zeiten und freinehmen konnte ich mir auch nach Lust und Laune.

Radarmagazin: War es schwer sich zu etablieren?
Jan: Sich zu etablieren ist eine schwierige Sache. Es ist nicht nur spielerisches Können wichtig,  sondern man muss sich auch vermarkten können. Mein Sprungbrett war eine Reihe von Qualifizierungsturnieren Anfang 2015, zu denen sich jeweils knapp 1.000 Leute angemeldet hatten. Eins von diesen Turnieren konnte ich für mich entscheiden. Das Hauptturnier wurde dann in China ausgetragen und vor 40.000 Leuten ausgestrahlt. Für mich persönlich war es das größte Turnier bisher. Simon hatte bisher etwas weniger Glück. Umso mehr ein Grund für mich, ihn auf weitere Turniere wie „Dreamhack“ zu schicken, da er die Zeit und das Potenzial für mehr aufweist. Das „Dreamhack“ ist ein sehr angesehenes Gaming Festival. Die Preisgelder bewegen sich meist zwischen 20.000 und 30.000 Dollar. Demnach eine der besten Möglichkeiten, um Aufsehen in der Öffentlichkeit und unter den Profis zu erregen.

Radarmagazin: Gab es in deinen Anfängen Schwierigkeiten oder Zweifel?
Jan: Erst war ich der Meinung, dass es für mich zu risikoreich und langwierig ist. Aber während der Schulzeit und vor dem Studium gab es nicht viel das drängte. Daher konnte ich die Zeit genießen, ohne mir Deadlines zu setzen. Bei meinen Teamkollegen sieht das anders aus. Ohne Arbeit ist die Zeit da, aber kein Geld. Die Balance zu finden und das Risiko abzuschätzen, wie man in einer gewissen Zeit einen Profit aus dem eSports ziehen kann, ist nicht leicht. Um diesen Druck und das finanzielle Risiko zu verringern, bin ich als Manager da. Ich kann die Spieler mittels Sponsorenhilfe auf Events schicken.

Radarmagazin: Was würdest du gerne denen sagen, die damit auch Geld verdienen wollen?
Jan: Wenn es euer Traum ist, dann tut es. Hängt euch rein, investiert Zeit und strengt euch an! Denn wessen Traum es ist, das zu tun, der oder die wird auch genügend Ausdauer und Motivation aufbringen können, um den Durchbruch zu schaffen. Ihr solltet ein ordentliches Selbstmanagement sowie eine gute Selbsteinschätzung besitzen. Sozialkompetenz und Freude an neuen Kontakten ist, wie im restlichen Leben, ebenfalls sehr wichtig. Der Rest ergibt sich durch die Leidenschaft am Spielen. Man muss kein Profi sein, aber die eigene Sache muss anderen Leuten gefallen. Andernfalls findet man keinen Anschluss oder es bildet sich keine Anhängerschaft.

Radarmagazin: Kann man in dieser Richtung verlässlich beruflich Fuß fassen?
Jan: Ich denke, dass die Chancen immer besser werden. Es entstehen immer mehr Organisationen, die den eSports voranbringen wollen. Die Möglichkeiten, mit denen man Geld verdienen kann, werden vielfältiger. Es sind Föderationen entstanden, die Preisgelder und Sponsorenzahlen steigen von Jahr zu Jahr. Der Markt wird immer größer.

Radarmagazin: Hast du Tipps für diejenigen, die eine ähnliche Leidenschaft haben und diese zum Beruf machen wollen?
Jan: Man sollte aus Spaß und Leidenschaft beginnen und sich dann überlegen, wie man diese Leidenschaft mit anderen teilen möchte. Will ich mich mit anderen messen und gewinnen? Dann spiele ich Turniere. Will ich meine Momente mit anderen teilen? Dann werde ich eventuell Streamer oder YouTuber. Möchte ich etwas Gemeinnütziges bewirken? Die Wahrnehmung der Bevölkerung bezüglich eSports fördern? Eventuell Leute managen, so wie ich oder als Coach fungieren? Vielleicht sogar kleine Unternehmen und Organisationen beraten? Es gibt immer Möglichkeiten, um einen Einstieg zu finden und dieser muss nicht vor dem PC stattfinden. Man kann ebenfalls mit einem Studium bei einem Unternehmen einsteigen und dort den Umgang mit dem eSport lernen, die Möglichkeiten sind vielfältig, man benötigt lediglich den Horizont und die nötige Eigenwahrnehmung um zu wissen, was man machen möchte.

Radarmagazin: Was ist für deine Zukunft noch geplant?
Jan: Zunächst will ich mein Studium abschließen. Danach steht mir vieles offen. Vielleicht gehe ich nach China oder ich bleibe hier und steige mehr im eSports ein und lasse mich festanstellen. Ich kann auch als ITler bei einem Unternehmen anfangen und dann gar nichts mehr mit eSports zu tun haben. Ich weiß es noch nicht und möchte mich auch noch nicht festlegen. Jedoch tendiere ich dazu, wieder als Spieler in das Geschehen einzusteigen. Das Gefühl durch eigene Bemühungen und Training Turniere für sich zu gewinnen, ist eine sehr große Bestätigung. Der Wettkampf hat mich schon immer gereizt, daher spiele ich neben dem Studium noch immer Turniere.

Radarmagazin: Gibt es etwas, was du noch unbedingt loswerden willst?
Jan: Egal wie viel Spaß es macht, ein Spiel zu spielen oder die Zeit im Internet mit Freunden zu genießen, man sollte niemals seine anderen Pflichten vergessen.  Man sollte stets auf sich und seinen Körper achten, sich gesund ernähren und am besten etwas Sport treiben.

Geschrieben von
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