Frauen, spreizt die Beine! Ist Womanspreading die Lösung?

Ein Manspreader auf frischer Tat (Foto: flickr.com)

Es ist Montag Abend 18 Uhr. Ich bin auf dem Heimweg und steige in die U-Bahn. Natürlich ist sie voll. Einige wenige Plätze sind noch frei. Ohne lange zu überlegen, setze ich mich neben einen Mann. Schlechte Entscheidung. Er macht sich total breit, sodass ich nur mit dem halben Hintern auf dem Platz sitze. Was soll ich tun?

Die hier beschriebene Situation nennt man Manspreading. Es meint das breitbeinige Sitzen von Männern in öffentlichen Verkehrsmitteln. Frauen sitzen oftmals eng zusammengequtescht daneben und machen am besten noch mehr Platz für den Mann. 67% der 18 bis 29-Jährigen und sogar 73% der 60-jährigen (oder älteren) deutschen Bevölkerung verbringt täglich bis zu 30 min in öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg zur Arbeit (Statista). Da wäre es doch schön, wenn jeder ein bisschen auf sich und seine Mitmenschen achtet, oder?

New York macht den Anfang

Im Januar 2015 startete die New York MTA (Metropolitan Transportation Authority) eine Kampagne gegen das Manspreading. Mit Hilfe von Plakaten werden die Fahrgäste auf das Problem aufmerksam gemacht und gebeten, Rücksicht zu nehmen.

Dude… Stop the Spread, Please It’s a space issue

lautet einer der Slogans.

Madrid hält mit

In den Bussen der städtischen Verkehrsbetriebe EMT (Empresa Municipal de Transportes de Madrid) fahren seit wenigen Monaten nicht nur Manspreader, sondern auch die passenden Aufkleber mit. Man sieht ein breitbeinig dasitzendes Männchen mit einem Kreuz darüber und dem Schriftzug „Respektiere den persönlichen Raum anderer“. Die Initiative ging von Frauenrechtsaktivistinnen aus. Die Leiterin der Kampagne Alejandra de la Fuente meinte dazu gegenüber dem Telegraph: „Uns Frauen wurde immer gesagt, dass wir so wenig Platz wie möglich okkupieren dürfen, Männern nicht.“

#manspreading

In den sozialen Medien ging das Thema längst viral. Etliche Bilder zeigen Männer, die sich den ihnen vermeintlich zustehenden Platz einfach nehmen. Die umsitzenden Frauen akzeptieren den männlichen Raum und machen sich eben besonders klein.

Schnell kommt hier die Frage auf, ob das Problem nicht größer gemacht wird, als es eigentlich ist und es nichts Wichtigeres gäbe. Dazu möchte ich die Spiegel-Redakteurin Margarete Stokowski zitieren: „Manspreading [ist] ein sehr typisches Beispiel dafür, wie Diskussionen um feministische Themen in der Öffentlichkeit geführt werden.“ Sie schildert, dass meist Feministinnen auf solch ein Problem aufmerksam machen. Als nächstes kommen Leute, die behaupten, das Problem sei keins oder biologisch begründet. In diesem Fall etwa heißt es, dass die Schultern eines Mannes breiter seien als die von Frauen. Daher müssten sie ihre Beine ähnlich weit auseinander stellen, um die Balance zu halten. Dem entgegen spricht Dr. Marc Goldstein. Er ist Direktor am Zentrum für männliche Reproduktionsmedizin und Mikrochirurgie am New York-Presbyterian Hospital Weill Cornell Medical Center. Er sagte der New York Times, eine Fahrt von ca. 30 min mit übereinandergeschlagenen Beinen könne zu kurzzeitiger Temperaturerhöhung im Hodenbereich führen, jedoch nicht lang genug, um einen Schaden anzurichten.

Womanspreading

Wir sehen also: Es spricht nichts dagegen, sich als Mann auf den Platz zu beschränken, für den Mann auch bezahlt hat. Nämlich genau einen. Die Gegenbewegung #womanspreading bringt neuen Schwung in die Debatte. Das Model Bella Hadid zeigt, wie das geht:

i'll remember you in the blue skies🤞🏼

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Allerdings müssen hier zwei Dinge erwähnt werden: Bella Hadid sitzt in einem Privatjet und nicht in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Außerdem können wir doch nicht eine schlechte Angewohnheit mit einer Neuen bekämpfen. Ich denke, dass sowohl manspreading, als auch das entsprechende Gegenstück immer als störend empfunden wird. Sollen wir unsere Arbeitswege demnächst inklusive Oberschenkelkampf zurücklegen? Oder sollen wir Frauen weiterhin stillschweigend mit einer Pobacke in der Bahn sitzen? Weder, noch! Die Lösung ist einfach wie simpel. Jeder sollte auf seine Mitmenschen achten und sich öfter mal fragen, ob sein Verhalten evtl. andere stören könnte. Falls ein man- oder auch ein womanspreader mal nicht selbst darauf kommt, hilft vielleicht ein kleines „Entschuldigung, könnten Sie ein Stück rutschen? Ich habe hier ganz schön wenig Platz.“ Wenn jemand zu laut Musik hört, zögern wir doch auch nicht lange.. oder?

Geschrieben von
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