Eklig und dreckig – Die weibliche Menstruation

Period, die Fotoserie der kanadischen Poetin (Foto: Rupi Kaur)

Jeden Monat wird der Ausnahmezustand ausgerufen, wenn eine Frau anfängt aus ihrer Vagina zu bluten. Ja, richtig gelesen. Wer sich jetzt ekelt oder angegriffen fühlt, herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert.

Rupi Kaur, eine kanadische Spoken-Word-Poetin, erweckte viel Aufmerksamkeit, als sie ein Foto auf Instagram veröffentlichte, das angeblich gegen die Richtlinien verstößt. Man sieht sie, mit dem Rücken zur Kamera, im Bett liegen. Soweit alles normal, sie räkelt sich weder sexy in ihrem Bett, noch ist sie irgendwie anzüglich angezogen. Wenn man das Foto näher betrachtet, sieht man auf ihrer Hose und auf dem Bettlaken einen Blutfleck. Oh Gott sie hat ihre Tage, die Erdbeerwoche, der Rote Baron ist wieder zu Besuch! Alarm! Das Foto wurde zwei Mal entfernt, mit der Folge, dass ein riesiger Protest gegen Instagram entfacht wurde. Zu der ganzen Situation äußerte sich Rupi Kaur mit einem Beitrag, in dem sie schrieb:

I will not apologize for not feeding the ego and pride of misogynist society that will
have my body in an underwear but not be okay with a small leak.

Frauen lernen von klein auf, dass ihre Menstruation etwas ist, worüber nicht gesprochen wird, das versteckt wird und es etwas Schmutziges ist, oder etwas wofür man sich schämen muss. So wie Kaur sagt, sieht die Gesellschaft lieber Frauenkörper in reizender Unterwäsche, die angenehm zu betrachten sind. Als in Situationen, die jeder Frau schon wiederfahren sind und völlig normal sein sollten. Das wird lieber zensiert. Wie viele peinliche Momente musste Frau schon erleben, nur weil die Menstruation genau zum falschen Zeitpunkt anfing. Wie oft musste man sich schon überwinden, jemanden nach einem Tampon oder einer Binde zu fragen und warum werden diese dann so herübergereicht, als würde man gerade einen Drogendeal abschließen?

Männlichkeit und Menstruation

Immer mehr Frauen, vor allem im Internet, fangen an offen über ihre Periode zu sprechen. Dies sorgt nicht nur für Aufklärung, sondern auch für die Enttabuisierung der Thematik. Das generelle Tabu besteht nicht nur bei Frauen, die ja ausschließlich davon betroffen sind. Auch viele ängstliche Männer, deren größte Horrorvorstellung es ist für seine Freundin, Frau, oder was auch immer, in den Drogeriemarkt zu gehen und Hygieneprodukte kaufen zu müssen.

Das geht ja nicht, das sind doch Frauensachen, die darf ein männlicher Mann doch gar nicht anfassen. Was würden Leute nur denken, wenn sie ihn sehen? Die Männlichkeit eines Mannes kann so fragil sein. Auch sobald eine Frau davon anfängt von ihren Menstruationsbeschwerden zu sprechen, werden sich die Ohren zugehalten. Denn das will doch ein Mann nicht hören. Das sind zu viele Informationen und nur so ein Frauending. Sie sollte das lieber mit anderen Frauen besprechen. Außerdem werden Frauen zu Furien während sie menstruieren. Sie haben ihre Emotionen noch weniger im Griff als sonst und man sollte sie am Besten gar nicht erst ansprechen.

„Wenn Frauen kompliziert werden, zickig sind oder einfach sich nicht so verhalten, wie manche das erwarten oder wünschen, dann wird schnell mal gesagt: Na, die hat halt ihre Tage.“ sagt Prof. Dr. Sabine Zinn-Thomas. Überraschung! Frauen können auch außerhalb der Menstruation widersprechen und anstatt Altmännerwitze zu machen, sollte man vielleicht einfach mal zuhören. Dies gilt auch für Frauen. Aber warum sich Frauen gegenseitig derartig angreifen müssen, ist ein ganz anderes Thema.

Ihr seid nicht eklig

Kiran Ghandi, eine Schlagzeugerin und Aktivistin, lief 2015 den London Marathon. Am Morgen des Marathons, wurde sie von ihrer Periode überrascht. Weder Tampons noch Binden eigneten sich für einen 42 km langen Lauf. Sie entschied sich ohne alles zu laufen. Frei zu bluten. Nachdem sie erfolgreich die Ziellinie erreicht hatte, postete sie ein Foto von sich mit blutigem Schritt. Sie wollte sich in keiner Weise von ihrer Menstruation daran hindern lassen einen Marathon zu laufen. Ghandi stieß auf viel Zuspruch, aber natürlich auch auf Kritik.
Leute sagten, sie sei total eklig und unhygienisch. Darauf antwortete sie in einem Interview von The Guardian: „The first criticism was that this is so gross, which was fine, because that was exactly the point: menstruation is still seen as something that’s disgusting, even though it is the very thing that gives life to all of us. The second type of criticism was that it was unhygienic, a mask for the same misogyny. It is only unhygienic if I had some sort of blood-borne illness. It was just a non-issue.“

Die Schlagzeugerin lief den London Marathon während ihrer Periode und hat frei geblutet (Foto: Kiran Ghandi)

Was wir daraus lernen, ist einfach. Menstruation ist etwas, dass Frauen jeden Monat durchstehen müssen. Ja, durchstehen, ertragen, hoffen, dass es bald endet. Denn für manche sind die Beschwerden nur mit Schmerzmitteln zu bewältigen. Trotzdem gehen sie ganz normal zur Arbeit, Schule, Uni und leben ihren Alltag. Sich zusätzlich noch zu schämen, zu ekeln und sich vor ignoranten Menschen erklären zu müssen, sollte nicht dazu gehören.
Und keine Sorge, liebe Frauen, niemand verlangt, dass ihr ab sofort wild durch die Gegend blutet. Aber Andere dafür zu akzeptieren und zu respektieren, wie sie mit ihrer eigenen und ganz persönlichen Blutung umgehen, wäre schon ganz schön.

Geschrieben von
Mehr von Chi Nguyen

Eklig und dreckig – Die weibliche Menstruation

Jeden Monat wird der Ausnahmezustand ausgerufen, wenn eine Frau anfängt aus ihrer...
Mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.