Einzigartige Kampagne: „Open Your Eyes“

Mit den Konsequenzen der Genitalverstümmelung müssen die Betroffenen täglich leben. Am 07. Mai 2017 startet ein außergewöhnliche Kampagne, die auf das Thema aufmerksam macht. (Foto: unsplash.com)

Die weibliche Genitalbeschneidung ist eine Jahrtausende alte Tradition, die bis heute praktiziert wird. Die Überlebenden leiden unter starken Schmerzen und psychischen Schäden.
 Anlässlich des Internationalen Tages der genitalen Selbstbestimmung am 07. Mai 2017 macht eine besondere Kampagne auf das Thema aufmerksam. 

Man muss zwei mal hinsehen, um zu erkennen, was auf den Fotos der Kampagne „Open Your Eyes“ abgebildet ist.

Copyright TERRE DES FEMMES

Es scheint, als würde man beschnittene Genitalien betrachten, jedoch handelt es sich dabei um die geschlossenen Augen mutiger Aktivistinnen. Tiranke Diallo, Evariste Franz Kapnang Tchaptchet, Fatou Diatta, Isatou Barry, Binta Fatty und Mai Ali wollen gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation Terre Des Femmes und der Medienagentur Grey darauf aufmerksam machen, dass noch immer zu viele Frauen Opfer von FGM (Female genital mutilation) werden. Laut einer vom Bundesfamilienministerium 2017 vorgestellten Studie sind weltweit über 200 Millionen Frauen und allein in Deutschland rund 47.500 betroffen. In die Berechnungen sind weder Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund und deutschem Pass, noch Frauen und Mädchen, die nicht offiziell in Deutschland gemeldet sind, mit einbezogen.

Verbreitet ist FGM nach wie vor in beispielsweise Ägypten, Eritrea, Somalia, Äthiopien, Mali und dem Irak. Für die Betroffenen, wenn sie denn überleben, bedeutet FGM entsetzliche Qualen: Blutungen und Schmerzen beim Urinieren, beim Sex und tödliche Komplikationen bei Geburten. Ganz zu schweigen von den psychischen Schäden. Anders als bei Jungen kann nicht mit verbesserten Hygienemöglichkeiten oder gesundheitlichen Vorteilen argumentiert werden, was bei der Beschneidung mit beispielsweise Rasierklingen ebenfalls fraglich bleibt. Bei der weiblichen Genitalverstümmelung handelt es sich in jedem Fall um eine Menschenrechtsverletzung. Sie wird in Deutschland auch dann bestraft, wenn sie während eines Aufenthaltes in den bereits genannten Staaten vollzogen wird.

Es mangelt an Fachpersonal und finanzieller Unterstützung

Charlotte Weil von Terre Des Femmes ist in die Projektkoordination von „Open Your Eyes“ involviert. Sie kritisiert vor allem, dass es „in Deutschland kaum Anlaufstellen für Betroffene gibt und wenn, dann sind sie selten auf FGM spezialisiert“. Das, obwohl es sich dabei um ein sehr sensibles Thema handelt: „Fachpersonal müsste dringend geschult werden. Die Rede ist von Sozialarbeitern, Lehrern, Gynäkologen.“ Die kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesfamilienministeriums belegt diese Aussage und sieht das Problem vor allem in der mangelnden finanziellen Unterstützung. So qualifiziert das Engagement auch sein mag, bei zu geringer Bezahlung müssen viele ihre Arbeit aufgeben.

Die Verbreitung der Fotos von den geschlossenen Augen der Aktivistinnen wird über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram gestartet. Des Weiteren werden auf einer Microsite, also einer schlicht gestalteten Homepage, zusätzliche Informationen zu finden sein. Wer die Aktion unterstützen möchte, sollte ab dem 07. Mai 2017 das Kampagnenmotiv von Terre Des Femmes mit dem Aufruf und Hashtag: #openyoureyes #eyesonfgm #endfgm #hope #terredesfemmes #womenrights auf den sozialen Kanälen teilen. Die Initiatoren erhoffen sich die bestmögliche Reichweite durch die Nutzung des Internets.

„Open Your Eyes“ ist vor allem ein Aufruf an uns alle, sensibilisiert für das Thema FGM zu sein und auch andere Menschen darauf aufmerksam zu machen. Denn hierbei darf kein Auge zugedrückt werden.

 

Geschrieben von
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