Birkin Bag von Hermés: Ein Preis, der sich lohnt?

Birkin Bag von Hermés (Foto: FASHIONISTA.com)

Sie ist nicht nur eine Handtasche, sie ist ein absolutes „Must-have“ in der Modewelt. Stars wie Jennifer Lopez, Victoria Beckham und Kim Kardashian sind Stammkundinnen. Auch männliches Klientel wie Marc Jacobs, reißt sich um das Accessoire der Luxusmarke Hermés. Doch was macht die Tasche so besonders?

Wie alles begann 

Anfang der 80er Jahre begegneten sich die damalige Schauspielerin Jane Birkin und der Vorsitzende von Hermés Jean Louis Dumas auf einem Flug von Paris nach London. Grund für das Aufeinandertreffen war die gerissene Strohtasche der Schauspielerin. Jean Louis Dumas half der Darstellerin dabei, den Inhalt der Tasche aufzusammeln und sie kamen ins Gespräch. Jane Birkin erzählte ihm, dass sie schon seit Jahren auf der Suche nach einer Ledertasche sei, bisher jedoch keine passende gefunden habe. Daraufhin zückte der Designer eine Serviette und begann, die ersten Entwürfe zu skizzieren. Und voilà: Die heutige Taschenikone war geboren. 1984 präsentierte Hermés die erste Birkin Bag auf dem Markt.

Design und Herstellung

Jeder „Sex and the City“-Fan kennt die berühmte Szene im Film, wo Samantha Jones den Namen einer Kundin benutzt, um sich auf der Warteliste für eine Birkin Bag um fünf Jahre nach oben zu schummeln. In der Realität sieht es jedoch nicht anders aus: Es kann Jahre dauern, bis die Tasche angefertigt werden kann. Dies liegt zum einen daran, dass das exotische Leder schwer zu bekommen ist. Zum Anderen, dass jede Tasche von einem einzigen Täschner von Hand gefertigt wird. Die Herstellung kann dabei bis zu zwei Wochen dauern, sodass pro Woche nicht mehr als zwei bis drei Taschen produziert werden können.

Die trapezförmige Handtasche gibt es in vielen verschiedenen Größen, wobei die Größeren für Reisetaschen konzipiert wurden. Da eine Tasche nur auf Bestellung gefertigt wird, kann die Kundschaft Leder, Farbe, Metallverschlüsse und weitere Ausstattungsdetails selbst zusammenstellen. Neben Kalbsleder kann man auch Straußen-, Krokodil- oder Eidechsenleder wählen. Das Innenfutter besteht aus Ziegenleder und alle Metallteile sind mit Gold oder Palladium beschichtet.

Die teuerste Tasche der Welt

Die begehrte Luxus-Handtasche hat aber auch ihren Preis: In diesem Jahr wurde eine Birkin Bag für umgerechnet knapp 338.000 Euro versteigert. Das geht aus einem Artikel des Modemagazins „Vogue“ hervor. Eine enorme Summe und laut dem Versteigerer „Christies auch ein weltweiter Rekord. Bei der Tasche handelt es sich um eine sogenannte „Himalaya Birkin Bag“, welche sehr außergewöhnlich ist , denn pro Jahr werden nur zwei Exemplare hergestellt. Grund dafür ist die aufwendige Färbetechnik. Ein grau-weißer Farbverlauf erklärt außerdem den Namen der Tasche – dieser soll an den Berggipfel des „Himalaya“-Gebirges erinnern. Das Modell besteht aus mattweißem Krokodilleder und besitzt Schnallen aus 18-karätigem Gold. Allein 205 Diamanten schmücken nur den Henkel der Tasche.

Das exotische Accessoire scheint auf den ersten Blick sehr verlockend zu sein, denn welche Frau möchte nicht gerne mit außergewöhnlichen und seltenen Modestücken auf den Straßen auffallen? Natürlich nur unter der Bedingung, dass der eigene Geldbeutel es hergibt. Stichwort Geld: Wissen die Besitzer dieser Taschen denn überhaupt, in was sie ihr Geld investiert haben? Man würde die Antwort eher verneinen, weil sie sich andernfalls sicherlich gleich zweimal den Kauf überlegt hätten!

Birkin Bag: Nur Schinderei statt Prahlerei

Krokodilleder, Alligatorenleder oder Straußenleder wächst nicht auf Bäumen. Das steht fest. Dass dafür unzählige Tiere sterben müssen, ist auch keine neue Erkenntnis. Die entscheidende Frage ist, wie diese Tiere sterben müssen, um uns „schöne“ Taschen zu hinterlassen.

Die Reptilienfarmen in Winnie, Texas und in Kariba, Zimbabwe, liefern die Krokodil-und Alligatorenhäute an die Gerbereien von Hermés aus, die dann in mehreren Prozessen zu Birkin Bags verarbeitet werden. Der Tierschutzverein PETA USA hat sich die Farmen des Luxusherstellers genauer angeschaut und Erschreckendes erlebt. Frank Schmidt, Mitarbeiter von PETA Deutschland und Senior Fachreferent für Tiere in der Bekleidungsindustrie, erklärte sich in einem Interview dazu bereit, mehr Informationen über die Umstände auf den Farmen preiszugeben.

Betongefängnisse (Foto: PETA.de)

Versteckte Aufnahmen der PETA-Ermittler zeigen, wie die Tiere auf den Farmen in kahlen und extrem überfüllten Gruben gefangen gehalten werden. Doch damit nicht genug. Auf der texanischen Farm schossen die Mitarbeiter mit einem Bolzenschussgerät den Alligatoren mehrmals in den Kopf. Sie schnitten den Tieren in den Hals, um so ihre Blutgefäße zu durchtrennen. Einige Reptilien überlebten jedoch und bewegten sich noch minutenlang. Während der Tortur wurden die Tiere lebendig gehäutet. Als ein Bolzenschussgerät nicht mehr funktionierte, kam die Anweisung des Betriebsmanagers, die Alligatoren aufzuschneiden und zu versuchen, ihr Rückgrat auszurenken. Anschließend sollte ihnen eine Metallstange in den Schädel gestoßen werden, um so das Gehirn der Tiere zu zerstören. Die Aufnahmen aus Simbabwe zeigen bis zu 220 Krokodile in einer kahlen Betongrube. Dazu muss man wissen, dass Krokodile Einzelgänger sind und eben nicht mit anderen Artgenossen zusammenleben. Artgerechte Haltung sieht anders aus.

Strenge Kontrollen seitens Hermés: Fehlanzeige!

Hermés selber hat auf unsere Anfrage bezüglich der Umstände auf den Farmen nicht reagiert. Werden die Farmen seitens Hermés überhaupt kontrolliert? Frank Schmidt hat eine Vermutung hierzu geäußert: „Unsere Erfahrung ist, dass Kontrollen seitens Hermés sehr unregelmäßig passieren. Ein bis zweimal im Jahr vielleicht. Man verlässt sich auf die Behörden vor Ort.“

Das Krokodil bewegt sich noch während der Häutung (Foto: Peta.de)

Dennoch hält das Luxuslabel alles legal ein. Es ist nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen möglich, mit Exotenhäuten zu handeln, wenn man die entsprechende Genehmigung vorweisen kann. Die Ausbeutung durch Übernutzung und nicht nachhaltigem, internationalem Handel stellt die größte Bedrohung für den Fortbestand wild-lebender Tierarten dar. Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES reguliert daher diesen internationalen Handel mit wild-lebenden Tierarten und ist eines der bedeutendsten internationalen Naturschutzabkommen. Solange also Hermés eine Genehmigung besitzt, kann man diese industrielle Massentierhaltung rechtlich gesehen nicht verhindern.

Doch man kann ein Statement setzen und so versuchen, dieser Tierquälerei entgegenzuwirken. PETA hat zahlreiche Kampagnen gegen Hermés gestartet: „Wir haben vor sehr vielen Hermés Stores protestiert. Wir kaufen Aktien der Luxusfirma, um auf den Jahreshauptversammlungen Kritik zu äußern. Wir müssen die Konsumentinnen und Konsumenten aufklären. Sie sollen das Geschäft nicht mehr unterstützen“, so der Tierschützer Frank Schmidt. „Das Bewusstsein steigt. In Europa und Nordamerika eher, als in Fernost. Die Schweiz wollte es sogar verbieten, Exotenleder zu importieren. Sie sind jedoch ganz knapp im Parlament gescheitert. Aber man sieht dadurch auch, dass die Politik hier Handlungsbedarf sieht. Und für uns wäre es natürlich auch wünschenswert, dass man gegen den Handel und die Produktion von Exotenleder vorgeht.“

Was nun?

„Es muss nicht unbedingt sein, dass jeder nur noch Kunstleder kauft. Gerade im Luxusbereich gibt es eine fantastische Anzahl an Innovationen, die viel exquisiter und moderner sind, als solch eine Reptilenhaut“, fügte der PETA-Fachreferent hinzu. Darunter gibt es zum Beispiel auch Ansätze, Leder künftig aus Pilz-, Ananas-, oder Pflanzenfasern herzustellen. Zahlreiche Start-Ups können dem Leid vielleicht bald ein Ende bereiten, verriet uns der Tierschützer. In den nächsten Jahren soll neues und vor allem nachhaltiges Ledermaterial auf dem Markt erscheinen.

Es ist immer eine Frage des eigenen Gewissens, ob man damit leben kann, den qualvollen Tod eines unschuldigen Tieres in einem Accessoire wiederzufinden. Jedoch sollte man sich immer vor Augen führen, wie man es selber finden würde, an Stelle der Tiere zu sein.

Geschrieben von
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