Spiel mir das Lied vom Geld

Das Geld Der Menschen ist für die Banken längst ein lukratives Spiel geworden. Foto: Ryan McGuire

Die Banken dieser Welt genießen keinen guten Ruf. Nur die wenigsten Kunden wissen, was mit ihrem Geld passiert, wenn es auf der Bank liegt. Und das ist genau so gewollt, denn mitunter investieren die Banken das Geld ihrer Kunden in fragwürdige Geschäfte, wie etwa die Rüstungs-, Kohle- und Atomindustrie.

Das Bankwesen gilt als eine sehr komplexe und wenig transparente Branche. Nicht jedem ist klar, dass die Banken das Geld ihrer Kunden nutzen, um es zum Beispiel für Kredite an andere Kunden zu verleihen. Auch werden die Einlagen der Kunden für Investitionen und langfristige Gewinnmaximierungen genutzt.

Dass es sich dabei um rein spekulative Geschäfte handelt, ist logisch. Trotz aller Versuche, das Risiko so gering wie möglich zu halten, sind Verlustgeschäfte der Banken nicht ausgeschlossen. So geschehen in der Vergangenheit:

Spätestens das Platzen der Immobilienblase in den USA im Jahr 2008 und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise, aber auch die Folgen der griechischen Staatspleite, die 2010 öffentlich wurde, haben gezeigt, wie gewagt die Geschäfte der Banken sind – und wie weitreichend die Konsequenzen sein können. Nur noch undurchsichtiger wird es, wenn die Banken das Geld ihrer Kunden für eigene Investitionen nutzen. Denn das sind mitunter fragwürdige Geschäfte.

Geldflüsse in dubiose Geschäftsfelder

So hat eine aktuelle Studie der Menschenrechtsorganisationen Facing Finance und urgewald ergeben, dass deutsche Banken zum Teil massiv in die Rüstungsindustrie investieren. Der Zeitraum der Untersuchung umfasst die letzten drei Jahre. Ein beliebtes Unternehmen, in das Banken gern investierten, sei laut der Studie die umstrittene Rheinmetall AG. Der Konzern ist global einer der größten Produzenten für Munition und gerät besonders durch das eigene Kunden-Portfolio in Kritik.

Demnach beliefert Rheinmetall auch Länder, in denen Diktatoren und autoritäre Regierungen an der Macht sind. Also solche, die sich oft Menschenrechtsverletzungen zu schulden kommen lassen. „Die Kunden haben ein Recht zu erfahren, in welche Geschäftszweige und in welche Firmen ihr Geld investiert wird – vor allem, wenn es um so kontroverse Branchen wie die Rüstungsindustrie geht“, sagt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance.

So ist bereits bekannt, dass Rheinmetall Saudi Arabien über eine ausländische Tochterfirma mit Munition beliefert. Durch mehrere dieser Subunternehmen, zum Beispiel in Italien und Österreich, umgeht der Konzern regelmäßig die Genehmigungspflicht für Rüstungslieferungen in umstrittene Länder. Diese müssten hierzulande zunächst vom Bundessicherheitsrat beschlossen werden.

Dem Königreich, das die islamische Militärkoalition zur Bekämpfung von Terrororganisationen anführt, werden immer wieder Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Laut den Vereinten Nationen wurden seit März 2015 durch saudische Luftangriffe mehr als 10.000 Menschen im Jemen getötet, unter ihnen 3.799 Zivilisten. Im April diesen Jahres wurde der Bau einer Munitionsfabrik in Saudi Arabien, nahe der Hauptstadt Riad, fertiggestellt – über die Mehrheitsbeteiligung an einem Joint Venture mit der südafrikanischen Firma Denel, wird diese von Rheinmetall betrieben. Berichten zufolge sollen dort Artilleriemunition und Bomben produziert werden.

Laut der Studie investierte die Deutsche Bank zwischen 2012 und 2015 mit einem Volumen von 1,47 Milliarden Euro das meiste Geld in die Rüstungsindustrie. Dicht gefolgt von der Commerzbank (1,24 Mrd. Euro) und die HypoVereinsbank/UniCredit (1,23 Mrd. Euro). Die Bayrische Landesbank investierte rund 656 Millionen Euro in solche Geschäfte.

Milliardeninvestitionen in die Kohleindustrie

Ein weiterer Bericht von urgewald aus dem vergangenem Jahr deckte auf: Im Zeitraum 2009 bis 2014 investierten Großbanken weltweit rund 257 Milliarden US-Dollar in den Kohlesektor. „Sogar in Deutschland mit seiner weltweit beachtenden Energiewende gibt es eine große Klimakiller-Bank“, stellt Katrin Ganswindt, von urgewald, klar.

Gemeint ist die Deutsche Bank, sie gehöre dabei „zu den zehn größten“, sagt sie weiter. Im genannten Zeitraum habe die Bank laut der Studie von urgewald rund 14 Milliarden US-Dollar in die Kohlefinanzierung investiert und steht international damit auf Platz 7. An erster Stelle steht die amerikanische Bank Citigroup Inc., mit einem Investitionsvolumen von 19,65 Milliarden US-Dollar im selben Zeitraum.

Um öffentlich Verantwortung zu präsentieren, haben die Großbanken, in Hinblick auf die vergangenen Klimakonferenzen in Paris und Marrakesch, weltweit neue Richtlinien zur Finanzierung von Kohle geschaffen. Doch „bleiben die Ambitionen der Deutschen Bank, sich auf den Weg in Richtung Klimaschutz zu machen, minimal“, sagt Regine Richter, Bankexpertin bei urgewald. „Dass sie sich selbst Klima-Botschafter nennt, ist eine Frechheit“, kritisiert sie.

Zwar habe die Bank einen umfangreichen Ausstieg der besonders umweltschädlichen Bergbautechnologie Mountaintop Removal, also der Sprengung von Berggipfeln zur Kohlegewinnung, angekündigt, dennoch „stehe der Sinneswandel bei Mountaintop Removal nicht für einen allgemeinen Sinneswandel bei der Kohlefinanzierung“, sagt Richter. „In der Dominikanischen Republik ist die Deutsche Bank aktuell an einem Kredit für das besonders ineffiziente Kohlekraftwerk Punta Catalina beteiligt“.

Und auch in Atomenergie wird fleißig investiert

Eine ältere Studie aus dem Jahr 2010 gibt weiteren Grund zur Besorgnis. In dem Bericht „Wie verstrahlt ist meine Bank?“, hat urgewald die Banken aufgelistet, welche im Zeitraum 2000 bis 2009 Investitionen in die 80 weltweit größten Atomkonzerne tätigten. Und die Liste ist lang:

An der Spitze wieder die Deutsche Bank. Sie investierte in dem Zeitraum 7,842 Milliarden Euro in Atomkonzerne. Darunter auch eine Investitionsbeteiligung an Tokyo Electric Power (TEPCO). Und das obwohl zuvor bekannt wurde, dass das Energieunternehmen 20 Jahre lang Berichte über Sicherheitsprobleme seiner Atomreaktoren gefälscht hatte. Als Folge dessen kam es 2011 nach einem schwerem Erdbeben und dem Tsunami zur Nuklearkatastrophe in Fukushima.

An zweiter Stelle steht die Commerzbank, mit einer Investitionshöhe von 3,926 Milliarden Euro. Größter Geschäftspartner der Commerzbank ist E.ON, das zum damaligen Stand 11 von 17 Atomkraftwerken in Deutschland (mit)betrieb. Im Zuge des Atomausstiegs befinden sich in Deutschland inzwischen nur noch acht Atomkraftwerke.

Selbst vor Investitionen in Atomwaffenhersteller durch Kredite, Anleihen und Aktien, haben die Banken keine Skrupel. Laut einem Bericht des niederländischen Verbands IKV und der Anti-Atomwaffenkampagne ICAN, betrugen die Investitionen der Deutschen Bank zwischen 2010 und 2012 rund 3,5 Milliarden Euro, die der Commerzbank rund 1,7 Milliarden Euro in Firmen, die Atomsprengköpfe und Trägersysteme herstellen oder warten. Auf dem drittem Platz befindet sich UniCredit/HVB mit einer Investition von 2,31 Milliarden Euro.

Die ganze Liste gibt es auf der Seite von urgewald. Banken betreiben mit dem Geld ihrer Kunden viele fragwürdige Investitionen. Besonders kritisch ist, dass die Geschäfte dabei oftmals unentdeckt bleiben und die Konzerne bewusst intransparent arbeiten. Dass es auch anders geht, beweisen ethische Banken. Durch eine Kombination diverser Positiv- und Ausschlusskriterien garantieren solche Banken, ausschließlich in soziale und ökologische Unternehmen zu investieren. Eine Auflistung der ethischen Banken gibt es in diesem Artikel.

Geschrieben von
Mehr von Steve Reutter

Todeswünsche und Hass – Die Sprache der Rechten

Freiheit und Unabhängigkeit - zwei Dinge, die uns das Internet ermöglicht. Aber...
Mehr

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.