Plastik im Haushalt, Plastik im Meer?

Plastikmüll in der Karibik (Foto: Caroline Power Photography)

Das erschreckende Bild einer Robbe, die einen eingewachsenen Frisbee um den Hals ertragen muss und kaum noch fressen oder trinken kann. Taucher, die Schildkröten und andere Meerestiere aus Geisternetzen befreien – immer mehr Videos und Fotos zeigen die traurige Gewissheit: Unsere Ozeane sind mit Plastik vermüllt.

Robbe mit Frisbee (Foto: thedodo.com)

Laut dem World Wildlife Fund (WWF) bestehen etwa Dreiviertel des Meeresmülls aus Plastik. Wer nun aber denkt, dass dies ein weit entferntes Problem ist, hat falsch gedacht. Auch unsere heimischen Flüsse und Seen sind verseucht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat 2014 eine Studie veröffentlicht, in der Mikroplastik in Fließgewässern, in diesem Fall die Donau, untersucht wurde. Hierbei kam heraus, dass in Uferbereichen bereits mehr Plastik als kleine Fische befördert werden.

Woher kommt das Plastik?

Wie ein harmloses Spielzeug zu einem echten Problem wird, ist einfach erklärt. Vor allem die Langlebigkeit von Plastik spielt hierbei eine Rolle: Etwa 400 Jahre dauert es, bis Plastik vollständig zersetzt ist. In dieser Zeit kann es, trotz sorgfältigem Recycling, durch Witterung ins Meer gelangen. Wenn Plastik sich nach und nach in Mikroplastik verwandelt, können die Meeresbewohner es nicht mehr von Plankton unterscheiden. So landet es im Magen des Fisches und bei Verzehr auch in unserem. Allerdings sagt Dr. Bernhard Bauske vom WWF: „Es gibt derzeit keine Hinweise, dass man Fisch aus diesem Grund nicht essen kann.“ Auch wenn in den Mägen von Fischen Plastikteile gefunden wurden, und in Plastikpartikeln Schadstoffe enthalten sein können, ist noch nicht erforscht, wie sich das auf den Organismus des Fisches bei den gefundenen Mengen auswirkt. Die Freisetzung von Mikroplastik sollte wegen der möglichen Schadstoffbelastung drastisch reduziert werden, so Bauske.

Hausmüll gehört recyclet (Foto: Milica Nikolic)

Bei der Debatte über Mikroplastik muss man zwischen primären und sekundärem Mikroplastik unterscheiden. Primäres Mikroplastik befindet sich zum Beispiel in Kosmetik und Zahnpasta. Sekundäres Mikroplastik bezeichnet den Abrieb von Autoreifen und Textilien, welches durch Abwasser ungefiltert in die Bäche gelangt und von dort aus weiter transportiert wird.

Im Zuge dessen untersuche man gerade, wie bessere Filterverfahren in Kläranlagen dem dortigen Weitertransport von Mikroplastik entgegensetzen können. Denn im Plastik teilweise vorhandene Flammschutzmittel und Weichmacher können auch unserer Gesundheit schaden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es die Fruchtbarkeit schwächt und Allergien verursacht. Vor allem die löslichen Weichmacher stellen eine schwerwiegende Problematik dar. Sie werden als krebserregend eingestuft. Die fehlende Abbaubarkeit von Kunststoffen und die daraus resultierende Anreicherung in der Umwelt sind grundsätzliche Probleme, die angegangen werden müssen.

Plastik fressende Raupen

Als im April 2017 die Entdeckung einer spanischen Forscherin über Plastik fressende bekannt wurde, schien es wie ein Wunder. Diese sogenannten „Wachsmaden“ sind vor allem Imkern ein Begriff, da sie sich parasitär in Bienenstöcken verbreiten. Diesen kleinen Raupen mutete man zu, sie könnten Plastik durch einen chemischen Prozess zersetzen. Allerdings wurde in späteren Forschungen festgestellt, dass sich der Kunststoff nur in kleinere Fragmente aufteilt. „Eine vollständige Zersetzung bedeutet eine Zersetzung in Kohlendioxid, Wasser und mineralische Bestandteile.“, erklärt Bauske. „Materialien aus Kunststoff wie Verpackungen sollten grundsätzlich nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen und die bewusste Beimengung von Mikroplastik in Produkten wie Kosmetikartikeln unterbleiben. Beim sekundären Mikroplastik sollten in Zukunft Materialien verwendet werden, die kein Mikroplastik abgeben, oder Stoffe, die aus biologischen Bestandteilen bestehen und von der Natur auf natürlichem Wege zersetzt werden.“

Obwohl der Prozess der Vermüllung mit Kunststoffen aller Art bereits sehr weit fortgeschritten ist, liegt es an uns, ihn zumindest zu entschleunigen. Denn selbst wenn ab sofort die Plastikherstellung brachliegen würde, schätzen Wissenschaftler, dass erst in 500 Jahren unsere Welt vollkommen plastikfrei wäre. Da dies aber eine weitaus utopische Vorstellung ist, solle aber jeder Einzelne seinen Umgang mit Plastik überdenken. Auch Bernhard Bauske hat dazu ein klares Bild: „Ganz klar, Plastik gehört nicht in die Umwelt. Daher unnötige Dinge aus Kunststoffen wie eine Plastik-Einwegtasche vermeiden und Verpackungen nicht in die Landschaft werfen.“

Geschrieben von
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