Todeswünsche und Hass – Die Sprache der Rechten

Die Anzahl an Hasskommentaren im Netz ist in den letzten Jahren gestiegen. Dabei sind es vermehrt Rechte, die mit dem sogenannten „Hatespeech“ auffällig werden. Es wird immer heftiger, der Ton rauer. Eine Lösung gibt es seitens der Politik und der Plattformen noch nicht.

Beleidigungen, Drohungen, Todeswünsche – Willkommen auf den sozialen Netzwerken der virtuellen Welt. Dort verbreiten seit einigen Jahren immer mehr Nutzer Hass und Abneigungen, zumeist gegen Minderheiten. Demnach wird das öffentliche Hassen in den Netzwerken dem rechten Spektrum zugeordnet. Ohne Scham und Anonymität verbreiten sie schwere Beleidigungen, die bis zu Todeswünschen reichen:

 

Das schreibt ein Neonazi auf Facebook. Credit: Facebook
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Volksverhetzung. Dieser Facebook-User ruft öffentlich zum Morden auf. Credit: Facebook
Foto: Facebook
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Hasskommentare und Verbindungen in die Politik

Solche Einstellungen „äußern sich besonders in Islamfeindlichkeit und Feindlichkeit gegenüber Asylbewerbern und Migranten“, stellt Christina Dinar, von der Amadeu-Antonio-Stiftung, einer Organisation, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzt, klar. Auch herrsche unter solchen Menschen „ein großes Demokratie- und Elitenmisstrauen“, erklärt sie weiter.

Zudem scheint es eine klare Verbindung von Hasskommentaren zu rechtspopulistischen und -extremen Parteien zu geben. „Die AfD hat das Internet für sich entdeckt, dort verbreiten sie bestimmte Inhalte und holen sich ihre Bestätigung“, sagt Dinar. Mit 300.000 Likes hat die AfD auf Facebook mehr „Gefällt Mir“-Angaben als jede andere Partei. „Die NPD hat schon im Jahr 2010 gesagt, dass das Internet und insbesondere die sozialen Medien ihre Plattformen sind“, sagt sie. Warum das so gefährlich ist, zeigen weitere Beispiele:

 

Credit: Facebook
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Oft haben Hasskommentare islamfeindliche Inhalte. Credit: Facebook
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EIn User auf Facebook beschimpft Asylbewerber und ruft zur Waffengewalt auf. Credit: Facebook
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Das fehlende Gesetz und die Gegenseite

Weder die Politik noch die Plattformen selbst haben bisher eine Lösung für solche Hasskommentare gefunden. „Von den strafbaren Inhalten, die User meldeten, löschte Twitter gerade einmal ein Prozent, Youtube nur zehn und Facebook 46 Prozent“, sagte Justizminister Heiko Maas auf der Veranstaltung „Gemeinsam gegen Hass im Netz“ am 26. September in Berlin und kritisierte die geringen Raten.

Und dass die Verbreitung solcher Hasskommentare auch ziemlich teuer werden kann, zeigt diese Tabelle von Stiftung Warentest:

Das mussten Menschen für ihre Hasskommentare zahlen. Credit: Stiftung Warentest
Das mussten Menschen für ihre Hasskommentare zahlen. Foto: Stiftung Warentest

Eines der größten Probleme ist die fehlende Transparenz von Unternehmen, betonte der Minister. „Wir sollten daher prüfen, ob wir soziale Netzwerke verpflichten, offenzulegen, wie viele Beschwerden wegen illegaler Hasskommentare sie bekommen haben und wie sie damit umgegangen sind“. Dennoch sei „die Lage besser geworden“, so Maas, „auch wenn sie noch lange nicht gut ist“.

„Facebook erkennt das Problem, versucht auch stärker dagegen vorzugehen, steht manchmal aber ein wenig hilflos davor“, glaubt Dinar. Außerdem wolle man neutral bleiben, heißt es immer wieder von Facebook-Sprechern und Mark Zuckerberg persönlich. „Allerdings sind wir an einem Punkt, an dem man Rechtsextremen, Antidemokraten und Fundamentalen samt ISIS Rekrutierung keine Plattform bieten und nicht neutral sein darf“, betont sie. Eine Lösung sähe sie darin, „eine Staatsanwaltschaft zu schaffen, die sich ausschließlich digitalen Themen widmet“.

Immerhin ist das Thema schon seit Längerem öffentlich. Und auch wenn Politik und insbesondere Facebook selbst noch keine grundlegenden Lösungen gefunden haben, scheint man dennoch mit Hochdruck daran zu arbeiten. Und bis es so weit ist, können wir uns an der Gegenseite erfreuen:

Mehr Informationen zu dem Thema gibt es auf der Seite von No Hate Speech Movement und der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Teaserfoto: Andrew E. Weber

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