Na endlich, Jungs! Die Wiederkehr der traditionellen Nassrasur

Die traditionelle Nassrasur ist mehr als nur ein Trend unter Vollbarthipstern, die den Bartwuchs ihres Kinnbereichs in Form halten wollen. Die Zahl der Männer, die mit Pinsel den vorher aufgeschlagenen Schaum ihrer Rasierseife im Gesicht auftragen, wächst stetig.  Klar – denn der altbewährte Weg ist den neumodischen Systemrasierern in fast allen Aspekten überlegen.

Die XY-Chromosomen tragenden Leser dieses Kommentars kennen das Problem mit Sicherheit: die Haare im Gesicht haben sich seit der letzten Rasur in unangenehm pieksende Stoppeln verwandelt, die Rasierklingen sind alle, und der Gang in den nächstgelegenen Drogeriemarkt ohnehin längst überfällig. Doch in der Abteilung für Herrenpflege klappt einem beim Anblick der Preise für Rasierklingen unweigerlich die Kinnlade herunter: 12 Klingen des Gilette Fusion kosten da schon mal bis zu 30 Euro.

In Relation dazu ist guter Rat glücklicherweise nicht allzu teuer: Im Internet findet man unzählige Foren, in denen kostengünstige Alternativen zu den etablierten Marken-System-Rasierern von Anhängern der traditionellen Nassrasur diskutiert werden. Von Infos zu Messern bis Rasierhobeln finden Wissbegierige hier ausserdem Produktrezensionen, Anleitungen zum Schlagen des perfekten Rasierschaums und Rezepte für selbstgemachte After-Shave-Balsams. Abseits davon liest man allerorts von begeisterten Nutzern, die mit ihren neugefundenen Rasurmethoden Geld sparen, bessere Ergebnisse erzielen und, ein völliges Paradoxon für den gilettegeplagten Mann, Spaß bei der Rasur haben.

Verwunderlich ist das, genau betrachtet, eigentlich nicht. Denn das Entfernen von Haaren aus dem Gesicht ist keine Wissenschaft – so sehr die Marketingabteilungen der Kosmetikindustrie auch versuchen, uns das glauben zu lassen. Eine scharfe Klinge, ein Werkzeug, mit dem man diese führt, sowie etwas Gleitmittel und Schutz auf der Haut sind alles, was man(n) braucht, um Herr über die Stoppeln im Gesicht zu werden. Die Gilette-Community auf Facebook sieht das offensichtlich ganz ähnlich, wie die Kommentare unter diesem Post beweisen:

Preis-Leistung unschlagbar

Die Vorteile der traditionellen Nassrasur sind einfach nicht von der Hand zu weisen. Ein Pack mit einhundert Klingen kostet online um die 8€, weniger, als 3 moderne Systemrasierklingen kosten. Eine gute Rasierseife ist nicht viel teurer als der Schaum aus der Dose, allerdings wesentlich ergiebiger und in der Regel frei von schädlichen Formaldehyden oder allergenen Duftstoffen. Sowohl Geldbeutel als auch Haut blühen also auf, sobald der Wechsel zum Hobel vollzogen ist.

Und selbst der Zeitfaktor, vermeintliche Schwäche der traditionellen Nassrasur, entpuppt sich als unproblematisch. Denn der Prozess, den viele Männer sonst als notwendiges Übel kennen, bereitet mit den traditionellen Mitteln richtig Freude. Heutzutage, wo Hektik und Stress unseren Lebensalltag bestimmen, ist es nämlich eine willkommene Abwechslung, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. So nutzen immer mehr Männer die Methoden ihrer Großväter, um des Bartwuchses Herr zu werden.
Und die Systemrasierer landen dann genau dort, wo sie hingehören: im Abfall.

Geschrieben von
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