Tauender Permafrost – eine Gefahr für indigene Völker

Ein Blick auf das nicht mehr ganz so ewige Eis Jakutiens (Foto: Major Kottan)

Der Klimawandel stellt die internationale Staatengemeinschaft vor ernste Probleme. Für die Bevölkerung der Republik Sakha, im Nordosten Russlands, könnte die 2016 beschlossene Umsetzung des Pariser Klimavertrages zu spät kommen. Forscher prognostizieren erhebliche Folgen.

Bis Sonntag 19. Februar 2017 fanden in Berlin die 67. Internationalen Filmfestspiele statt. Diesen Anlass nutzten Wissenschaftler/innen, um auf die kälteste Region der Welt aufmerksam zu machen – Sakha. Die Republik, auch bekannt unter dem Namen Jakutien, liegt im nordöstlichen Teil Russlands und macht ungefähr ein Fünftel des Landes aus.

Im Winter, welcher in Jakutien rund acht Monate anhält, herrschen hier Temperaturen von bis zu minus 40 Grad und im kurzen Sommer steigen sie auf Werte von bis zu 30 Grad an. Trotz der großen Fläche Jakutiens leben hier nur rund eine Millionen Menschen. Die dort lebende Bevölkerung ist bereits heute vom Klimawandel betroffen, denn die Republik liegt zum größten Teil auf sogenannten Permafrostböden, also dauerhaft gefrorenen Böden.

Gefahren der Permafrostböden

Diese, beginnen aufgrund des Klimawandels weltweit zu tauen. Das birgt viele Gefahren für Menschen und die Natur. „Das Tauen der Permafrostböden hat weitreichende Folgen, so setzen diese beispielsweise große Mengen an klimaschädlichen Gasen frei“, erklärt Prof. Torsten Sachs vom GeoForschungsZentrum Potsdam.

Die Bodenschichten, die in der letzten Eiszeit gefroren sind, beinhalten organische Bestandteile, etwa Pflanzenreste oder Teile von Tierkadavern. Für die Bodenmikroben ist die Erderwärmung ein echter Weckruf.

Sie können durch das Tauen damit beginnen die organischen Verbindungen zu zersetzen. Der darin gespeicherte Kohlenstoff wird zu Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) abgebaut und dann in die Atmosphäre freigesetzt. Forscher sprechen von dem sogenannten „Rückkopplungseffekt“: Das so in die Atmosphäre abgegebene CO2 würde die Erderwärmung noch beschleunigen und diese wiederum das Tauen der Permafrostböden vorantreiben. Das Tauen des Permafrostbodens ist ein irreversibler Prozess. Was bedeutet das aber für die Menschen, die in Jakutien leben?

Herausforderungen der Bevölkerung

In Zusammenarbeit mit der DEKRA Hochschule für Medien machten Wissenschaftler/innen des Helmholtz Verbundes REKLIM (Regionale Klimaänderung) mit Sitz am Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung nun auf die Gefahren der tauenden Böden und auf die Folgen für die Bevölkerung im Rahmen des NATIVe Programms der Berlinale aufmerksam. NATIVe hat seinen Fokus in diesem Jahr auf die Arktis gelegt.

Prof. Rolf Teigler (links) und Dr. Klaus Grosfeld (rechts) heißen die Gäste willkommen. (Foto: Charlotte Bauer)

Wichtiger Schwerpunkt der Veranstaltung „Arctic change – indigenous life and scientific tracks in Sakha/Russia“ lag bei der Vorstellung der bereits wahrnehmbaren Veränderungen bei den Menschen vor Ort. Dr. Meszaros, von der Academy of Science Hungary, der selbst 3,5 Jahre in Jakutsk gelebt und gearbeitet hat, berichtete u. a., wie die ländlichen Dorfgemeinschaften bereits heute die Folgen der tauenden Permafrostböden spüren, die Landschaften sich rasch verändern und dadurch z. B. die Heuernte für die Tiere betroffen ist und damit letztlich die Nahrungs- und Erwerbsquelle der Menschen.

Vyacheslav Shadrin, Chief of the Council of Yukaghir Elders, griff das Thema noch einmal aus der Sicht der in Jakutien lebenden indigenen Völker auf. Neben veränderten Schneeverhältnissen, Erosionszunahme, sprach er auch über die sich nach Norden verschiebende Vegetation als Folge der stattfindenden Erwärmung. Zusammen mit dem tauenden Permafrost stellen diese Veränderungen große Herausforderungen an die indigenen Gemeinschaften in Jakutien, die hauptsächlich von Vieh- und Rentierzucht, Jagen und Fischen leben.

Vyacheslav Shadrin macht auf die Probleme und ökonomische Unsicherheit innerhalb Jakutiens aufmerksam.
(Foto: Charlotte Bauer)

Wenn diese Veränderungen so anhalten, stehen die Menschen in Jakutien vor einer großen Herausforderung. Wie schnell sie sich an diese Veränderungen anpassen können, hängt von vielen Faktoren ab. „Der tauende Permafrost und die damit verbundenen Auswirkungen zeigen uns eindrücklich, wie sich das globale Problem Klimawandel regional ausprägen kann“, unterstreicht Dr. Renate Treffeisen, vom REKLIM Klimabüro.

Geschrieben von
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