Gegen Gewalt an Frauen – eine weltweite Demonstration

One Billion Rising - Eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen (Foto: Bianca Nawrath)

In Deutschland war jede vierte Frau bereits Opfer häuslicher Gewalt. Und das in einem Land, welches als fortschrittlich und gesellschaftlich weit entwickelt gilt. Wie passt das mit den Zahlen zusammen, die Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen beschreiben?

Am 14. Februar 2017, Valentinstag, sind Frauen und Männer in der ganzen Welt auf die Straße gegangen und haben den Tanz als Form des Protestes gegen Gewalt an Frauen gewählt. Wir waren in Berlin am Brandenburger Tor dabei.

Hunderte Menschen versammelten sich vor dem Brandenburger Tor (Foto: Bianca Nawrath)

„Wir versuchen hier vor dem Brandenburger Tor alle zusammenzubringen. Alle Organisationen und alle, die sich für das Thema interessieren.“, so beschrieb Bettina Lutze Luis-Fernández die Intention von One Billion Rising. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen klärten an Ständen über das Thema Gewalt an Frauen auf, so z.B. Terre des Femmes und Unicef. Bettina Lutze Luis-Fernández selbst ist Leiterin des Mädchensportzentrums Centre Talma und hat die Demonstration in Berlin organisiert. Der Name der Veranstaltung beschreibt, dass sich eine Milliarde Menschen weltweit gegen Gewalt an Frauen erheben sollen. Auch in Deutschland gab es zahlreiche Demonstrationen im Rahmen der Aktion.

Auf dem Platz des 18. März am Brandenburger Tor standen die Tänzerinnen und Tänzer des Centre Talma an diesem Tag auf Podesten und einer Bühne in Mitten des Publikums. Einer dieser jungen Tänzer war Dennis Schiemann aus Reinickendorf: „One Billion Rising in Berlin ist sehr zentral, viele Menschen sehen uns und können wegen der einfachen Choreo auch sofort mitmachen.“

                           (Quelle: https://youtu.be/oXUmkBun7F8)

Bettina Lutze Luis-Fernández bezeichnet den Tanz als perfekte Form der Demonstration: „Tanz ist nonverbal, emotional und verbindet uns alle.“

Es war keine Demonstration der ernsten Blicke und wütenden Parolen. Vielmehr begegneten einem lauter lächelnde Gesichter, die beseelt zu sein schienen von dem Gedanken, etwas Gutes zu tun.
Viele Passanten blieben stehen, Teilnehmer aus allen Altersgruppen versammelten sich, Eltern tanzten mit ihren Kindern auf den Schultern, junge Pärchen unterbrachen ihren Valentinstags-Spaziergang. „Es ist wichtig gerade den Tag der Liebe zu nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, was ausgerechnet im Namen der Liebe hinter verschlossenen Türen passiert.“, so Lutze Luis-Fernández.

Weltweit wurde bereits jede dritte Frau Opfer von Gewalt

Was ausgerechnet im Namen der Liebe hinter verschlossenen Türen passiert, sind Formen körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt. Wie eine Studie der „Agentur der Europäischen Union für Grundrechte“ von 2014 belegt, haben 33 % der in Deutschland lebenden Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren, 43 % waren von psychischer Gewalt betroffen. Eine 2013 veröffentlichte Studie der World Health Organization (WHO) ergab, dass weltweit jede dritte Frau zu einem Opfer von Gewalt wurde. Die meisten dieser Übergriffe passieren in Form von häuslicher Gewalt, also ausgerechnet an dem Ort, der für einen Menschen Schutz und Ruhe bedeuten sollte.

Zwangsprostitution und verheiratung, Mitgift- und Ehrenmorde, Femizid (Tötung eines Menschen aufgrund weiblichen Geschlechts), Säureattentate, Genitalverstümmelung, Frauen- und Mädchenhandel – es handelt sich, um eine nicht enden wollende Liste unmenschlichen Gräuels, die auch in Deutschland präsent ist.

Bettina Lutze Luis-Fernández fordert bessere Gesetze: „Es muss weiter gehen in der Fahndung und Verurteilung von Straftätern.“

Oftmals ist für Betroffene die Hemmschwelle zu groß, um eine Anzeige zu erstatten. Angst vor unverständlicher Bürokratie, fehlenden Beweisen, Verständnislosigkeit und somit vielleicht sogar einer Verschlimmerung der Situation. Hinzu kommt das Schamgefühl der Frauen und die Angst davor, alles noch einmal durchleben zu müssen. Die „allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen sieht in Artikel 2 einen Schutz bei Diskriminierung vor, es muss leichter sein, diesen Schutz zu gewährleisten. Betrachtet man allein die hohe Anzahl von Gewalttaten, wird klar, dass noch einige fundamentale Änderungen passieren müssen. Hinzu kommen weitere Ungerechtigkeiten, z.B. bei der Verteilung der Gehälter und im Job. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) waren 2016 in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen nur rund acht Prozent Frauen vertreten.

Trotz all dieser gravierenden Probleme werden Menschen, die sich für die Emanzipation und den Feminismus engagieren, nicht selten abfällig behandelt. Als „Emanze“ gilt, wer sich übertrieben für die Gleichberechtigung von Mann und Frau einsetzt. Ist in Anbetracht der aufgezählten Tatsachen ein übertriebener Einsatz überhaupt möglich?

Fakt ist, dass Demonstrationen wie One Billion Rising auf Problemstellungen aufmerksam machen können, doch letztendlich müssen wir selbst aktiv werden. Die eigene Aufmerksamkeit im Alltag zu schärfen und bei auffallender Ungerechtigkeit einzugreifen ist mit Sicherheit ein Anfang.

Geschrieben von
Mehr von Bianca Nawrath

Einzigartige Kampagne: „Open Your Eyes“

Anlässlich des Internationalen Tages der genitalen Selbstbestimmung am 07. Mai macht die...
Mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.