Entourage – Zwischen Feuer, Tanz und Show

Entourage – eine Gruppe von Künstlern, die ihr Publikum mit abwechslungsreichen Shows rund um Tanz, Akrobatik, Jonglage und die eine oder andere Feuereinlage begeistert. Genauso außergewöhnlich, wie ihre Performances sind, ist auch ihr Job. Einer der Artisten, Johannes Bauer, der schon seit zwei Jahren Mitglied von Entourage ist, erzählt von seinem Job.

Radarmagazin: Entourage – wofür steht das eigentlich?
Johannes: Entourage Berlin – übersetzt heißt das so etwas wie „Gang“ oder „Gefolgschaft“. Der Name hat inzwischen schon eine lange Geschichte und wurde vor Jahren von einem anderen Team ins Leben gerufen, von dem inzwischen nur noch eine Person mit an Bord ist. Ich mag ihn immer noch sehr, da bei uns die Gemeinschaft und der Gruppenprozess einen hohen Stellenwert haben. Auch sind wir nicht nur Arbeitskollegen, sondern auch Freunde – eine richtige Gang eben.

Radarmagazin: Wie seid ihr dazu gekommen?
Johannes: Jeder von uns natürlich auf seine eigene Weise. Aber ich denke, jeder hat zuerst das Jonglieren, den Tanz oder die Feuerartistik als Hobby entdeckt, um dann mehr und mehr dem Wunsch zu folgen, sein Hobby zu einem Lebensinhalt zu machen.
Bei mir fing es mit der Feuerartistik an. Wenn man so etwas lernt, kommt man als Jugendlicher natürlich schnell auf die Idee, bei der Großmutter, Tante oder wo auch immer zum Geburtstag aufzutreten. So spricht sich das dann herum, man bekommt langsam mehr Auftritte und bestenfalls irgendwann sogar Geld dafür.

Radarmagazin: Wolltest du das schon immer machen? Was gab es für Alternativen?
Johannes: Schon immer. Also als Kind wollte ich Astronaut oder Müllmann werden. Ich glaube der Wunsch Artist zu werden kam erst, als ich selbst mit Artistik anfing. Das war damals, als ich erfuhr, dass man von diesem Hobby tatsächlich leben kann.

Radarmagazin: Übt jemand von euch nebenbei noch einen anderen Job aus?
Johannes: Wir haben einen Schauspieler, der auch noch „normale“ Schauspieltätigkeiten nebenher hat. Auch haben wir eine Musikerin, die noch in einer Band spielt und Musikunterricht gibt. Einige von uns sind nebenbei auch in anderen Artistik-Ensembles aktiv, treten also nicht nur unter Entourage auf.
Ich selbst leite noch einen Jugendzirkus, mit dem ich auch hauptsächliche Feuerartistik betreibe. Oder ich führe ab und an Projektwochen durch, in denen wir eine Performance mit Jugendlichen erstellen, also auch sehr nah an meinem eigentlichen Job.
Nebenher kellnern oder Taxi fahren muss zum Glück bei uns niemand mehr.

Radarmagazin: Wie habt ihr euch euer Können angeeignet?
Johannes: Anfangs tatsächlich hauptsächlich über Youtube-Videos und das Internet. Man sieht sich Videos von anderen Künstlern an, macht nach und lernt so neue Tricks. Später bin ich viel auf Jonglage- oder Artistik-Conventions gegangen, habe Workshops besucht und mich dort mit anderen Artisten ausgetauscht. Dann habe ich irgendwann noch eine richtige Tanzausbildung draufgesetzt, weil mich Tanz schon immer sehr faszinierte und ich es spannend fand, Tanz mit anderen Kunstformen zu verbinden.

Radarmagazin: War es schwer sich zu etablieren, beziehungsweise, gab es in euren Anfängen Schwierigkeiten oder Zweifel an eurem Vorhaben?
Johannes: Schwierigkeiten gab es nicht nur am Anfang oder vielleicht stehen wir auch immer noch am Anfang. Zweifel hat man doch, glaube ich, sein ganzes Leben lang immer mal wieder, davon sind auch Artisten nicht befreit. Aber sowohl Schwierigkeiten als auch Zweifel nehmen natürlich ab. Man hat Erfolgserlebnisse, man beobachtet einen stetigen Fortschritt und ich glaube, solange man immer alles gibt, kann man nicht scheitern.

Radarmagazin: Besteht bei euch ein gewisses Berufsrisiko? Welche Sicherheitsvorkehrungen werden bei euch getroffen?
Johannes: Ein Risiko besteht natürlich. Aber in welchem Beruf besteht das nicht? Jeder Feuerspieler hat sich schon einmal die Finger verbrannt und jeder Akrobat hatte schon einmal einen verstauchten Fuß. Manche Risiken kann man natürlich nie vollends vermeiden, aber durch Routine und den stetigen Austausch mit anderen Artisten kann man sie sehr weit eindämmen.
Prinzipiell werden zu jedem Auftritt ausreichend Löschdecken sowie ein Feuerlöscher bereitgestellt, die Requisiten werden vor dem Auftritt auf Verschleiß oder Mängel überprüft, es gibt eine Bühnenbegehung und einen vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum Publikum. Insgesamt schätze ich auch die Chancen, dass wirklich irreversible Schäden für Künstler oder Kunden entstehen, niedriger ein, als für einen Taxifahrer.

Radarmagazin: Angenommen, jemand aus eurem Team verletzt sich so stark, dass weitere Auftritte für ihn nicht mehr möglich sind. Hätte derjenige, beziehungsweise, habt ihr jeweils einen beruflichen Plan B?
Johannes: Je nachdem, wie weit unsere Kompanie noch wächst, gibt es natürlich die Möglichkeit, dass man auch hinter den Kulissen aktiv sein kann, zum Beispiel als Kostümschneider oder am Bühnenbild arbeitet. Aber was ich schon sagte: Es gibt selten Verletzungen in unserem Handwerk, die einen daran hindern, jemals wieder aufzutreten.
Einen Plan B hätte ich jetzt auch nicht direkt parat. Vielleicht würde ich mich mehr auf die Weitergabe meiner Fähigkeiten spezialisieren, also mehr als Lehrer tätig werden? Schlimmstenfalls könnte ich mir auch vorstellen, noch mal zur Uni zu gehen. Es ist ja heutzutage auch alles ein bisschen anders als vor 30 Jahren.

Radarmagazin: Auf eurer Homepage steht, dass ihr von Kunden gebucht werden könnt, um eure Shows auf deren entsprechenden Veranstaltungen zu zeigen. Sind es vermehrt private Veranstaltungen, auf denen ihr auftretet, oder waren bislang auch größere öffentliche Veranstaltungen dabei?
Johannes: Meist sind es Privatveranstaltungen oder zumindest Veranstaltungen mit geladenen Gästen. Aber auch Stadtfeste, Einweihungen von Einkaufszentren und Weihnachtsmärkte kommen vor sowie im Sommer natürlich das ein oder andere Festival.

Radarmagazin: Kann man in eurer Richtung verlässlich beruflich Fuß fassen? Hättet ihr Tipps für diejenigen, die eine ähnliche Leidenschaft haben wie ihr und diese auch zum Beruf machen wollen? Wie beginnt man am besten?
Johannes: Fuß fassen kann man schon. Das beweisen wir ja gerade und das haben viele vor uns bewiesen. Wie verlässlich das ist, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.
Mein Tipp wäre: Studiere lieber BWL als Tanz. Zumindest wenn man wie wir, selbst eine Kompanie gründen will und nicht in eine bereits etablierte einsteigt. Man ist eben denselben Gesetzen unterworfen, wie jede Unternehmensgründung. Man braucht Werbematerial und muss sich mühsam einen Kundenstamm aufbauen. Ab einem gewissen Professionalitätsgrad muss man Verträge aufsetzen und auch Marktanalysen durchführen. Die künstlerische Arbeit ist tatsächlich nur ein Teil des Ganzen. Sonst ist mein Rat: Sei du selbst und gib alles für deinen Traum, dann war es zumindest nicht deine Schuld, wenn es nicht klappt.

Radarmagazin: Was ist für eure Zukunft noch geplant?
Johannes: Also gerade steht ein zweiter Standort in Thailand, genauer in Phangan, im Raum. Das hat sich durch einen Zufall ergeben, einige unserer Mitglieder sind aktuell auch dort vor Ort. Dieser zweite Standort soll uns quasi als Winterresidenz dienen.
Sonst haben wir irgendwann einmal gemeinsam geträumt, ein eigenes Haus oder Gelände hier in Deutschland zu haben, wo wir wahlweise auch wohnen, vor allem aber trainieren, Requisiten bauen, schneidern und uns künstlerisch entfalten können. Vielleicht können wir auch pädagogische Angebote für Klassenfahrten anbieten, Unterricht geben und vielleicht irgendwann die erste anerkannte Schule für Feuerartistik aufmachen.

Radarmagazin: Ihr habt also eure Leidenschaft zum Beruf gemacht?
Johannes: Ja, absolut!

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