Gefangen auf der Straße – ihre Realität?

Die Geldbörse eines Straßenmusikers - Der Gitarrenkoffer, Foto: pixabay.com

Sich auf der Straße mit seiner Musik durchzusetzen, ist schwer. Trotzdem versuchen täglich zahlreiche Straßenmusiker ihr Glück und bringen in der Hoffnung auf Anerkennung und die eine oder andere Spende ihre Lieder zu Gehör. An dieser Stelle endet dann der individuelle Erfolg. Doch stimmt das?

Noch schnell ein paar Rädchen seiner E-Gitarre verstellen und das Mikro in Position bringen, dann ist er so weit. Den Liedtext vor dem inneren Auge ein letztes Mal herunterbeten, dann kann es losgehen. Vor Aufregung bilden sich Schweißperlen auf seiner Stirn, obwohl das nicht sein erster Auftritt ist. Aber er ist bestens vorbereitet. Also: gerade hinstellen, Schultern straffen, einmal ganz tief durchatmen. Und los geht’s. Er stimmt sein erstes selbst geschriebenes Lied an und verliert sich darin, in seiner Musik, wird eins mit ihr. Seine Leidenschaft ist kaum zu bremsen, der Performance fehlt es an nichts.
Geschafft, der letzte Ton des Songs erklingt und er öffnet die Augen. Doch es fehlt etwas. Der Applaus. Sein Publikum. Verwundert sieht er umher, doch dann fällt es ihm wieder ein: Ach ja, er ist ja nur Straßenmusiker.

Was in den ersten Zeilen noch nach einer gängigen Konzertvorbereitung eines Rea Garvey klingt, lässt in den letzten Worten gar nicht mehr die Frage aufkommen, welcher Star denn nun hinter dem Mikrofon steht.
Denn es ist klar, es ist jemand, den keiner kennt. Eben ein Straßenmusiker, no name, arm, mittellos, hat nichts als die Musik. Außer vielleicht einen Schäferhund zu seinen Füßen. So will es das Klischee.

Berühmter Star oder Straßenmusiker – beides geht nicht!

Wieso also auch nur in Erwägung ziehen, dass dieser Typ tatsächlich ernst zu nehmendes Talent und höchstes Starpotenzial besitzt, das öffentliche Beachtung und Förderung bedarf? Wenn er sich doch sowieso schon dieser einen Berufsgruppe verschrieben hat. Einmal auf der Straße, immer auf der Straße. Die große Bühne ist tabu und unerreichbar.
Diese beiden Bereiche passen einfach nicht zusammen. Berühmter Star in der Musikbranche und Straßenmusiker? Zwei verschiedene Welten, zwischen denen es keinerlei Überschneidungsfläche gibt.

So kann es auch keinesfalls real sein, dass jemand wie Ed Sheeran, Rod Stewart oder Michael Hirte auf internationalen Bühnen stehen, Millionen Fans ihnen zujubeln und sie weltweit bekannt sind. Das muss ein Fehler sein, eine virale Illusion. Nicht, dass die Guten noch Starallüren bekommen. Das wäre die Spitze eines Identitätsverlustes für Menschen, wie sie. Denn sie – sowohl Ed Sheeran, Rod Stewart, als auch Michael Hirte – gehörten doch allesamt nicht auf die großen Bühnen, in die Massenöffentlichkeit, das passt nicht. Ihre Berufswelt war die einer Fußgängerzone. Denn – sie waren ja nur Straßenmusiker.

Geschrieben von
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