Programmkino oder doch die große Kinokette?

Das Lichtblick Kino in der Kastanienallee ist das kleinste Programmkino in Berlin. Foto: Katrin Nelles

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts begeistern die neuen Kinohäuser und das Medium Film die Zuschauer. Damals begann es als Kuriosität, die sich aber nach und nach einen festen Platz in der Unterhaltungsindustrie sichert. Kino verspricht Unterhaltung und ein kurzes Entfliehen aus dem Alltag. Es verbindet die Menschen in dem sie sich an diesem einen Ort der Filmaufführung versammeln und sich über den gesehenen Film austauschen.

Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, hat sich die Filmindustrie in verschiedene Lager gespalten. Die zwei stärksten Konkurrenten sind auf der einen Seite Hollywood, mit den großen Filmverleihern und den großen Kinoketten mit dem Mainstreamprogramm und auf der anderen Seite die Kulturfabrik Europa, mit kleinen Programmkinos die ein kleines aber starkes Cineasten Volk begeistert.

Ungewisse Zukunft

Große Kinoketten sind früh auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen und haben begonnen, ihre Räume mit der neuesten Technik aufzustocken. Sie finanzieren es durch Filme die die Massen begeistern, mit viel Action und Emotionen, eine große Auswahl an süßen und salzigen Snacks und durch schnell steigende Preise. Kleinere Programmkinos dahingegen halten an die Vergangenheit an, insbesondere an der Technik. 35  mm Projektoren und ein Raum voller Filmspulen waren damals gang und gäbe, heute ist es eine Besonderheit geworden und das, obwohl die Zukunft der digitalen Projektoren noch ungewiss ist. Analoge Projektoren halten Jahrzehnte im Gegensatz zu Digitalen, welche regelmäßig gewartete werden müssen.

Dazu kommt noch eine rasante Entwicklung und Weiterentwicklung der Technik, welche immer wieder teuer umgerüstet werden muss. Infolgedessen verändern sich auch die Verbreitungstechniken der Filmkopien. Damals wurden Filmkopien noch in Form von Kilo schweren Filmrollen geliefert, heute sind es Festplatten und morgen werden die Kopien nur noch digital verschickt. Die Vorteile der Digitalisierung sind dabei klar erkennbar. Neue Filme lassen sich einfach und bequem an die Kinos verteilen, wobei die Kosten um ein vielfaches geringer sind als früher.

Was den großen Kinoketten allerdings fehlt, ist eine Programmauswahl, die den Zuschauer fordert und mehr als nur Unterhaltung darstellt. In den großen Kinos strengen sich die Zuschauer höchstens dazu an sich Unmengen an Popcorn und Nachos in sich hineinzustopfen, bis das Licht wieder angeht. Ein Programmkino, mit seiner ganz speziellen Filmauswahl und meist kleinen gemütlichen Kinosälen, erzeugt dahingegen noch diesen magischen Moment des im-Kino-sitzens und den Film in sich aufzunehmen.

Der magische Moment

Das Lichtblick Kino in der Kastanienallee ist eines dieser Programmkinos. Mit 32 Sitzplätzen ist es das kleinste Kino der Stadt. Lediglich das Schild „Lichtblick Kino“ und die Filmplakate in den Fenstern lassen erraten, dass sich hinter dieser kleinen Hausfront ein Kino versteckt. In dem Vorraum, einer ehemalige Fleischerei, befindet sich heute eine Bar, an der es gleichzeitig auch die Tickets und ein paar wenige Bänke gibt.

Anlässlich einer Retrospektive der Werke von Paolo Virzi, einem Italienischen Filmemachers, werden auf einem Tisch verschiedene italienische Snacks und italienischer Rotwein zur Selbstbedienung angeboten, alles gegen eine freiwillige Spende. Der Saal selbst ist nur wenige Meter breit und erinnert an einen Tunnel mit einer Leinwand am Ende. Die Tür geht zu und das Licht aus. Der Zuschauer erlebt eine Reise durch den Kopf des Filmemachers und gibt sich seinem Werk für eine gewisse Zeit hin. Diese intime Atmosphäre, wie sie in einem Programmkino entsteht, ist in keinem der großen Kinos zu finden.

 

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