In den Sonnenuntergang

Noel Gallagher auf Couch
Auf seinem dritten Solo-Album gelingt Noel Gallagher endlich der erhoffte Befreiungsschlag (Foto: Lawrence Watson)

Der Meister des Brit-Pop ist alt geworden. 50 Jahre hat Noel Gallagher nun auf dem Kerbholz.

Manche Leser älteren Semesters werden sich vielleicht noch an den schmalen, verkifften Jungen erinnern, der mit seinem noch verkiffteren jüngeren Bruder Liam und zwei Kumpels Mitte der 1990er Jahre eine Band namens „Oasis“ gründete. Man kann sich heute nicht mal ansatzweise vorstellen, was für ein Hype damals um diese vier, gerade dem Teenager-Alter entwachsenen Männer, entstand.
Gut 25 Jahre, 80 Millionen verkaufte Tonträger und unzählige Dispute zwischen den beiden Brüdern später ist die Ausgangslage eine andere. Nach der Auflösung von „Oasis“ 2009 gehen die ehemaligen Mitglieder ihre eigenen Wege.

„Who Built The Moon“

Und Noel Gallagher löst sich im Jahr 2017 in seinem nunmehr dritten Soloalbum endgültig von seiner alten Band. Mit „Who Built The Moon“ beschreitet der Mancunian nun einen neuen Weg.
Es ist ein verschlungener, enger, manchmal unzulänglicher Pfad, auf den uns der Sensei des Brit-Pop führt. Beginnend mit „Fort Knox“, einem Quasi-Instrumental, verlangt das Album den eingefleischten Fans des gepflegten Brit-Pop von Anfang an einiges ab. „Teach Me How To Fly“ kommt experimentell daher, besteht der Song doch nur aus zwei verschiedenen Refrains.

In „The Man Who Built The Moon“ merkt man dem Album am deutlichsten an, dass mit dem irischen Produzenten David Holmes da einer involviert war, der sich schon für den Score von Filmen wie „Oceans 11“ verantwortlich gezeigt hat.
Nur der Bonus-Track „Dead In The Water“ bringt flüchtig die Erinnerung an verblassende „Wonderwall“-Zeiten zurück.

Mit dem Alter kommt die Gelassenheit

Gallagher muss es nicht mehr allen recht machen. Das ist der Vorteil, den das Alter bringt. Dem ROLLING STONE hat er gesagt: „Ich bin jetzt 50. Ich habe die ganzen 90er damit verbracht, Lieder für andere zu schreiben. Now I´m pleasing myself“.

Mit „Who Built The Moon“ ist dem Briten ein Album gelungen, dass sich nicht länger mit der Vergangenheit aufhält, sondern einen Blick nach vorne vermitteln soll. Gallagher wirkt wie ein Cowboy, der zufrieden in den Sonnenuntergang reitet. Er ist mit sich selbst im Reinen über die Vergangenheit und bereit für neue Abenteuer.

Das hat uns „Who Built The Moon“ gezeigt.

 

Geschrieben von
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