Mailand in 12 Stunden

Am authentischsten ist man in Mailand mit der traditionellen Straßenbahn unterwegs. (Foto:Bianca Nawrath)

Spontane Last-Minute-Buchung. 6:40 Uhr, Flug von Berlin nach Mailand. 20:10 Uhr, der Rückflug. Das bedeutet ein paar Stunden in der zweitgrößten Stadt Italiens, in dem Land, das es schafft, gleichzeitig für Leidenschaft und die Kirche zu stehen. 45 Euro kostete der Kurztrip pro Person in unserem Fall für den Hin- und Rückflug. Verschwendetes Geld oder reichen zwölf Stunden, um Mailand mit seinem Zusammenspiel von Kultur und moderner Eleganz auszukosten? Wir haben es ausprobiert.

Der Dom

Die Fassade des Doms wurde erst unter Napoleon I. beendet. (Foto:Bianca Nawrath)

Unser erster Halt war das bekannteste Wahrzeichen Mailands: Der Dom, flächenmäßig der drittgrößte weltweit. Die schöne Fassade des gotischen Kirchenbaus kombiniert barocke und neugotische Stilelemente und wurde erst unter der Herrschaft Napoleons fertiggestellt. Wichtiger Bestandteil des Domplatzes ist die Reiterstatue Vittorio Emanuele II. Hierbei handelt es sich um das Abbild des von 1861 bis 1876 regierenden italienischen Königs.

Man benötigt nicht einmal 12 Stunden, um zu merken, dass das Klischee von leckerer Pizza und Pasta an jeder Ecke auch in Mailand voll erfüllt wird. Das dürfte die hungrigen, deutschen Touristenbäuche freuen, denn auch zu Hause schlägt die Nudel die Kartoffel. Laut dem Ernährungsreport 2017 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft greifen 38% der Deutschen am liebsten zur Pasta, während nur 14% ein Kartoffelgericht vorziehen würden.

Pizza, Pasta, Panzerotti: In einer authentischen Pizzeria ist Pizza Hawaii ein Tabu. (Foto:Bianca Nawrath)

Das Dessert können sich dann aber wieder beide Lager teilen. Zur italienischen Eiscreme sollte niemand Nein sagen, sie schmeckt einzigartig cremig und nicht wie in Aroma ertränkt. Generell laden viele kleine Bäckereien zum Verweilen ein, die aussehen, wie von einer italienischen nonna betrieben. Die Italiener lieben Süßspeisen und fangen zum Frühstück schon damit an.

Bei einem 12 Stunden Trip braucht man auch mal eine Stärkung für zwischendurch auf die Hand. Ein Vorteil dabei ist, dass man sich die Benutzungsgebühr für das Besteck spart, die sogenannte „coperto“ (circa zwei Euro pro Kopf). Der perfekte Snack sind Panzerotti. Hierbei handelt es sich um Mini-Calzonen gefüllt mit allem was das Herz begehrt, von Gouda und Schinken, über Tomate und Mozzarella bis hin zu Nutella. Besonders empfehlenswert ist das Luini, Via Santa Radegonda, 16, 20121 Milano, Italien.

Wenn wir schon bei der Klischee-Kontrolle sind, kommt hier gleich das Nächste: Mailand, die Modemetropole. Schnäppchen sucht man in Mailand jedoch lange, es wird einem eher übel beim Anblick der Preise. Chanel, Louis Vuitton und Co. reihen sich hier aneinander, sie sind in Mailand so verbreitet wie in Berlin die Dönerbuden. Durch tolle Atmosphäre und eindrucksvolle Architektur besticht die Galerie Vittorio Emanuele II. Auch beim fünften und sechsten Betreten der Galerie wird man immer wieder neue Einzelheiten entdecken und das ist kein Wunder. Bei den ersten vier Rundgängen hat man nur den Kopf im Nacken und starrt die mächtige Glaskuppel an. Auch staunenswert: die Besucher! So viel Botox und totes Kaninchen sieht man selten auf einem Fleck.

Die überdachte Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II lässt Mode-Herzen höher schlagen. (Foto:Bianca Nawrath)

Arco della Pace

Auf die Spuren Leonardo da Vincis kann man sich im Castello Sforzesco begeben, zumindest wenn man sich durch die Armee Selfie-Sticks wedelnder Verkäufer gekämpft hat. Teil des mächtigen Bauwerks sind die Museen des Castello. Hier befindet sich unter anderem das letzte Werk Michelangelos, die unvollendete Marmorstatue Pietà Rondanini. Im Anschluss kann man den Parco Sempione bei einem gemütlichen Spaziergang erkunden und sich dem Arco della Pace (Friedensbogen) nähern.

Das Castello Sforzesco – im Museum und dazugehörigen Park kann man sich stundenlang aufhalten. (Foto:Bianca Nawrath)

Wer generell eher Freude an gemütlichen Spaziergängen als an einem straffen Sightseeing-Programm findet, kann dafür auch einfach die Straßen Mailands nutzen. Gekonnt turnen und musizieren Straßenkünstler an vielen Ecken. Allerdings sollte man die eigenen Wertsachen spätestens jetzt vor Langfingern verstecken wie ein Priester die Kondome.

Wenn man Glück hat, wird man von einem Hellseher angesprochen, aufgrund der eigenen „positiven, energetischen Ausstrahlung“. Ein kleiner Tipp: Positive Energie strahlt man vor allem dann aus, wenn man eine große Stadtkarte in die Hand nimmt, sich eine Kamera um den Hals hängt und ein „I love Milan!“ T-Shirt trägt. Schnell wird der Hellseher mit den metallisch-blau schimmernden Nägeln nur die positivsten Eigenschaften an einem erkennen und für ein Startbudget von nur zehn Euro kann man mehr davon haben!

Fazit

Vom Dom aus angefangen, lässt sich die Stadt wunderbar zu Fuß erkunden. Die wichtigsten Touristenziele sind locker zu erreichen, zumindest wenn man nicht jedes genau besichtigen möchte. Um z. B. das Innere des Doms zu erkunden oder die Aussicht vom Dach zu genießen, sollte man mindestens 45 Minuten Stehzeit einplanen.

Mailand ist vergleichsweise zum üblichen entspannten Lebensstil der Italiener eine eher hektische Stadt, doch noch lange nicht so hässlich wie manchmal beschrieben. Somit wäre es kein Problem gewesen, noch zwei, drei Tage mehr in Mailand zu füllen, doch 12 Stunden sind perfekt für jeden, der gern zu Fuß unterwegs ist und sich als Atmosphäre-Schnüffler bezeichnen würde. Der Geruch Italiens ist ein vielseitiger. Die Mischung aus Weihrauch, Basilikum und zugegeben auch etwas Pomade. In einem Satz: Die Welt ist voller schöner Stiefel. Der Schönste unter ihnen ist in Europa zu finden und wird Italien genannt.

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