Die Leipziger Buchmesse: Zwischen Kostümen und Folianten

Treppe in der Glashalle der Leipziger Messe. Foto: Tom Schulze

Vom 23. März 2017 – 25. März 2017 fand die alljährliche Leipziger Buchmesse (LBM) statt. Auf der zweitgrößten deutschen Literaturmesse treffen sich Verlage, Autoren und Leser in 4 Hallen und tauschen sich über aktuelle Entwicklungen in der Branche und neue Veröffentlichungen aus. Zu den Ausstellern gehören neben Sachbuch-, Belletristik- und Kinderbuchverlagen auch Mangaverlage, -künstler und -fans. Die Leipziger Buchmesse vereint damit klassische Literatur mit den japanischen Comics.

Seit jeher ist die LBM für ihr Zusammenspiel zwischen der Manga/Anime-Kultur und der Buchkultur bekannt. Zwischen den Messeständen der altehrwürdigen Antiquariats-Messe fanden sich Cosplayer, Fans, die aussehen wie Figuren aus Anime, wie „Naruto“ oder „One Piece“. Andersherum fand sich manch eingefleischter Buchleser, zwischen den Ständen der Animehalle, zwischen Figuren und Dakimakuras, menschhohen Kissen mit aufgedruckten Mangafiguren, wieder.

Cosplayer auf dem Leipziger Messegelände. Foto: Tom Schulze

Von internationalen zu persönlichen Themen

Die großen Themen der Leipziger Buchmesse dieses Jahr waren Europa und die Reformation. Als Partnerland war Litauen auf der Messe besonders vertreten. Es wurde viel politisch diskutiert über Flucht, Vertreibung und Krieg.

Trotz all dieser ernsten und wichtigen Themen feiert die Leipziger Buchmesse in erster Linie Literatur in all ihrer Form. Große Verlage wie „dtv“, der „deutsche Taschenbuch Verlag“, sind auf der Buchmesse schon „seit dem Anfang, als die Buchmesse noch in der Innenstadt war“ dabei, so eine Angestellte des Verlages.

Der dtv ist bekannt für Sachbücher und Gesetzestexte, aber auch als deutscher Verleger vieler bekannter Autoren, wie J.R.R. Tolkien, Heinrich Böll oder aktuell Jussi Adler-Olsen. Foto: Philipp Portee

Man konnte aber auch viele kleinere, aufstrebende Verlage finden, wie den „Albino“-Verlag aus Berlin, der sich darauf spezialisiert hat „Außenseiter oder Bücher von Außenseitern“ zu verlegen. Die Hauptcharaktere sind häufig Menschen, die sich nicht in das „normale“ System einfügen. Wie in einem der neuesten Bücher des Verlages, „das letzte“, in dem es um eine namenlose Protagonistin geht, die in einer anarchistischen Wohngemeinschaft lebt, psychische Probleme hat und sich um ihre Messi-Mutter kümmern muss. Zusätzlich gab es in der Halle der Manga-Comic-Convention einen Platz, an dem junge Künstler sich präsentieren konnten, ohne bereits veröffentlicht zu haben.

Convention für Jung und Alt

Dass die Convention-Halle nicht nur etwas für die jüngere Generation und Cosplayer im speziellen ist, beweist Holger Schütte, Matheprofessor aus der Gegend von Hildesheim. Der 58-jährige Comicsammler sah sich neben der Belletristik und Fachliteratur auch die Convention an, um „auf den Spuren von Leonard und Sheldon (Hauptcharaktere aus „the big bang theory“) zu wandeln.“

Jedoch traf man auch in anderen Hallen auf kleine und größere Cosplayer. Vor allem an den Ständen von Fantasy und Scifi waren sie zu finden. Zugleich mischten sich in der Antiquariats- und Sachbuchhalle immer wieder kostümierte Besucher in die Menge, unterhielten sich an Ständen und nahmen an politischen Diskussionen teil.

Zudem wurden Strickwaren in verschiedensten Formen an den Ständen der Convention angeboten. Foto: Philipp Portee

Trotz der nun permanenten räumlichen Trennung mischten sich Messebesucher und Japan-Fans besser als jemals zuvor. Den Charme der Leipziger Buchmesse macht also weiter die Mischung aus. Cosplayer neben verdienten und preisgekrönten Autoren, Manga neben Büchern und alt neben jung. Und nichts wird bevorzugt. Die Convention hat nun zwar ihre eigene Halle, aber diese trägt mehr zur Entfaltung der Szene, inklusive großen eigenen Programm, bei.

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1 Comment

  • Den Kommentar über die Leipziger Buchmesse fand ich sehr anregend. In diesem Jahr konnte ich leider nicht auf diesem Event anwesend sein , um so mehr meine Freude hier eine Einschätzung von diesem Jahr zu bekommen. Sehr gut wieder gegeben empfand ich das ,,bunte Treiben“ wärend der Tage. Aus vorangegangenen Jahren weiß ich wie Abwechslungsreich eine Buchmesse sein kann. Genau das hat der Verfasser des Bericht’s exakt rüber gebracht. Auch hatte ich das Gefühl beim lesen, der Autor war mitten im Geschehen und das mit Freude. Dieser Artikel macht Lust auf mehr!!!

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