Fotoausstellung: Eine Waljagd der Inuit

Fotos der Ausstellung „Iglulik“ in der Neuen Galerie Berlin
Fotos der Ausstellung „Iglulik“ in der Neuen Galerie Berlin | Foto: Tonio Bruère

Jan Kraus hat Inuit im Norden Kanadas bei der Waljagd begleitet. Für sie ist das Jagen Teil ihrer Tradition. Am Freitag wurde in Berlin eine Ausstellung seiner Fotos eröffnet.

Sechs Wochen verbrachte der Fotograf Jan Kraus im Sommer 2016 mit den Inuit im Norden Kanadas und erhielt Einblicke in ihre Lebensweise. In dem Ort Iglulik im Territorium Nunavut, in dem etwa 1.600 Menschen leben, herrschen eisige Temperaturen. Nur im Sommer steigt das Thermometer für eine kurze Zeit über null Grad Celsius. Der 32-jährige Fotograf war von dem Filmemacher Zacharias Kunuk eingeladen worden, der an einem Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel „Hunting with my ancestors“ – auf deutsch „Jagen mit meinen Vorfahren“ – arbeitet. Die Jagd gehört zur Tradition der Inuit, darunter auch der Walfang.

Nur 20 Minuten von der Sichtung bis zur Tötung des Wals

Als die Gemeinde in Iglulik vergangenes Jahr eine Lizenz zum Töten eines Grönlandwals erhielt, hat Kraus das Ereignis in Bildern festgehalten. Zu Beginn der Jagd habe man lange warten müssen, bis eine Fontäne auf dem Wasser den Ort des Wals verraten habe, sagte er. Dann sei es ganz schnell gegangen: „Es hat 20 Minuten gedauert von der Sichtung des Wals bis zur Tötung.“ Zurück an Land sei der Wal unter den Bewohnern aufgeteilt und fast restlos verwertet worden.

Gut besuchte Ausstellungseröffnung

Entstanden ist eine Fotoreihe, die den Betrachter erahnen lässt, wie sich die dauerhafte Kälte und die Weiten der Natur in der Arktis anfühlen müssen. Bei der Ausstellungseröffnung am Freitag war die kleine Berliner Galerie gut gefüllt mit Besuchern. Für einen wissenschaftlichen Einblick in die Folgen des Klimawandels für die Bewohner der nördlichen Breitengrade sorgte Maria Martin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. In einem Vortrag erklärte sie, dass laut einer Studie schon ein globaler Temperaturanstieg von 1,6 Grad Celsius langfristig zu einem Schmelzen großer Teile des grönländischen Eisschildes führen könne. Der im Pariser Klimaabkommen vereinbarte maximale Temperaturanstieg von zwei Grad könnte für Grönland also schon zu viel sein.

Maria Martin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erläutert die Folgen des Klimawandels
Maria Martin vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erläutert die Folgen des Klimawandels | Foto: Tonio Bruère

Für einige Umweltbereiche ist es schon zu spät

Für den Temperaturanstieg gäbe es in der Wissenschaft verschiedene Szenarien „je nach politischem Willen und der Umsetzung der Pläne“, erklärte Martin. Für einige Umweltbereiche sei es in jedem Fall zu spät, z.B. für die meisten Korallenriffe, ergänzte sie. Resignieren solle man aber trotz Zweiflern am menschengemachten Klimawandel und starkem Druck seitens der fossilen Energieindustrie nicht. Gegenbewegungen wie das Divestment nennt sie als positives Beispiel, um die Erderwärmung zu begrenzen. Sie schließt ihren Vortrag mit einem Zitat Albert Einsteins: „Die Welt wird nicht durch diejenigen zerstört werden, die schlimmes tun, sondern durch die, die zuschauen und nichts dagegen unternehmen.“

Die Fotoausstellung „Iglulik“ kann bis zum 31. März 2017 in der Neuen Galerie Berlin (Ludwigkirchstraße 11, 10719 Berlin) besucht werden. Der Eintritt ist kostenlos.

Aktualisierung: Die Formulierungen zum Schmelzen des grönländischen Eisschildes und die Zerstörung von Korallenriffen wurden präzisiert.

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