Dokumentarfotograf: Kai Wiedenhöfer

Kai Wiedenhöfer hat für seine fotografischen Werke bereits viele Preise gewonnen darunter auch die Carl-Von-Ossietzky-Medaille. Doch reichen Auszeichnungen alleine nicht aus, um als Fotograf davon leben zu können.

Der Beruf des Fotografen ist ein stark umkämpftes Gebiet, insbesondere seitdem die Technik für jeden erreichbar ist. In fast jedem Handy ist eine Kamera verbaut und jede davon schießt Fotos, die ins Netz gestellt werden können. In dieser Flut an Bildern das eigene hervorzuheben und einen Käufer dafür zu finden, wird immer schwerer.

Das große Geld verdient ein Fotograf in der Regel nicht

Redaktionen zahlen für eine Fotostrecke von 20 Bildern um die 500,00 Euro. Da stellt sich die Frage, ob sich das für einen Fotografen lohnt, der dafür mehrere Wochen auf Reisen war. „Du kannst das dann entweder verkaufen oder auch nicht, ich mache das nicht,“ so Wiedenhöfer. Für ihn ist dies kein angemessener Verdienst angesichts der monatelangen Arbeit.

Kai Wiedenhöfer, geboren 1966 in Baden-Württemberg, ist in den Beruf des Fotografen eher hineingerutscht, als das er von Anfang an eine starke Leidenschaft für die Fotografie hatte. Für ihn ist das Medium selbst die Faszination: ein Geschehen fotografisch festzuhalten zu können. Er möchte damit auf Missstände aufmerksam machen. Insbesondere der Nahe Osten liegt ihm am Herzen.

Grenzen aus aller Welt vereint auf einer Mauer

Sein neuestes Projekt „War on Wall“ hat er auf den Resten der Berliner Mauer angebracht, auf eine Gesamtlänge von 360 Metern. Ein Jahr lang porträtierte Kai Wiedenhöfer hierfür kriegsversehrte syrische Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon: Männer, Frauen und Kinder. Panoramabilder der zerstörten Stadt Kobane, die stellvertretend auch für viele andere Syrische Städte steht, ergänzen die Porträts. Das ist seine zweite Ausstellung auf öffentlichem Raum dieser Art. Bereits 2013 wurde auf der Berliner Mauer das Projekt „Wall on Wall“ präsentiert, für das Kai Wiedenhöfer Grenzmauern auf der ganzen Welt fotografiert hat.

Das Geld für sein Projekt „War on Wall“ hat er durch eine Crowdfunding-Kampagne bei Kickstarter gesammelt. Neue Aufträge und Anfragen kommen nach dem Projekt trotzdem nicht rein. Dafür hat Kai mit seiner Ausstellung an der Berliner Mauer umso mehr Menschen erreicht. Um die 300.000 Personen haben sein Werk im Sommer dort gesehen. Damit erreicht er viele Menschen die sich auch nicht bewusst mit diesem Thema beschäftigt haben.

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