Deutscher Kolonialismus: bis in die Gegenwart

Das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin liegt genau an der Spree neben der Museumsinsel. Neben dem Zeughaus zählt auch das Ausstellungshaus zu dem Museum. Das barocke Zeughaus, das älteste Gebäude „Unter den Linden“ bildet neben dem modernen Ausstellungshaus aus dem Jahr 2003 einen beeindruckenden Kontrast.

Das DHM hat drei Sonderausstellungen, welche man nur für einen begrenzten Zeitraum besuchen kann und eine Dauerausstellung. Die dauerhafte Ausstellung „Deutschland von allen Zeiten“ zeigt 1.500 Jahre deutsche Geschichte in insgesamt 7.000 verschiedenen Ausstellungsstücken.

Es lohnt sich jedoch auch einen genaueren Blick auf die Sonderausstellungen zu werfen. Eine davon behandelt den deutschen Kolonialismus. Es ist Deutschlands erste Ausstellung, die sich nur auf dieses Thema bezieht. Auf insgesamt neun Stationen kann man sich die Geschichte erarbeiten. Denn obwohl Deutschland Europas viertgrößte Kolonialmacht war, rückt unsere koloniale Vergangenheit erst seit wenigen Jahren ins öffentliche Bewusstsein.

„Die Geschichte des deutschen Kolonialismus ist noch nicht zu Ende geschrieben, wir können nur einen Eindruck verschaffen“, so Boris Nitzsche, Pressereferent des DHM.

Das DHM zeigt in seiner Sonderausstellung mehrere Perspektiven auf. Neben den Interessen der Missionare und des Militärs, berücksichtigt sie beispielsweise auch die Interessen der Kolonisierten. Einige Ausstellungsstücke zeigen auf interessante Weise, wie ihre Sicht auf die Deutschen zu dieser Zeit war.

Bis in die Gegenwart

„Obwohl der deutsche Kolonialismus formal 1918/19 endete, reicht der weiße Überlegenheitsgedanke bis in die Gegenwart“ Nitzsche, DHM.

Und genau diesem Gedanken gibt die Sonderausstellung Raum. Sie zeigt auch, wie das Thema nach dem ersten Weltkrieg im Nationalsozialismus behandelt wurde und wie später die DDR und die Bundesrepublik unterschiedlich mit dem Thema umgingen. Gleichzeitig baut die Ausstellung eine Brücke bis in unsere Gegenwart und stellt den Alltagsrassismus, welcher nach wie vor vorherrscht, dar.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist definitiv auch der Inklusionsgedanke. Alle Texte sind auch in Brailleschrift und zusätzlich in vereinfachter Form verfasst. Außerdem gibt es kleine Filme, welche die Texte zu den Ausstellungsstücken in Gebärdensprache übersetzen. Ebenso gibt es kleine Stationen, an denen man interaktiv werden kann, um sich die Geschichte spielerisch selbst zu erarbeiten.

Die Ausstellung kann noch bis zum 14. Mai 2017 besucht werden.

Geschrieben von
Mehr von Marinka Schulz

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