Mode mit gutem Gewissen

Monkis Denim Sachen sind alle aus 100% Bio Baumwolle. Foto: https://www.monki.com/we-are-monki/monki-cares/material/

Beim Shoppen muss man heutzutage weder viel Zeit, Geld noch Gedanken verschwenden, um sich trendgemäß zu kleiden. Nachhaltigkeit wird bei H&M und Co. anscheinend auch Großgeschrieben. Dann kann man doch direkt los shoppen, oder?

Monki, eine schwedische Modemarke, fällt auf. Nicht nur durch die ausgefallene Mode, die als eine Mischung aus skandinavischem Chic und Tokyo Streetstyle beschrieben werden kann. Sondern auch durch ihre bunten Kampagnen, die sie vor allem auf sozialen Netzwerken promoten. Hauptthemen sind Girl Power und Feminismus. Aber auch Body Positivity und nachhaltige, ethische Mode. Klickt man sich ein wenig durch Monkis Webseite, landet man irgendwann auf der Seite „Monki Cares„.

Monki Cares is about being kind to the world and empowering the people in it.

Auf der Seite beschreibt Monki die bereits erreichten Erfolge und die zukünftigen Ziele. Zum Beispiel wird sich das Ziel gesetzt, bis 2040 ein komplett umweltfreundliches Unternehmen zu sein. Bis 2030 soll die gesamte Kollektion aus nachhaltigen oder recycelten Stoffen bestehen. Alle Denim Sachen werden bereits aus 100% Bio Baumwolle hergestellt. Zum Teil wird auch der Stoff TENCEL® verwendet. Dieser wird aus Eukalyptus hergestellt. Die Bäume benötigen nur wenig Wasser, sind pflegeleicht und wachsen schnell. Sie eignen sich also zum umweltfreundlichen Anbau. Alte Klamotten kann man außerdem zu jeder Filiale bringen, um sie recyceln zu lassen.

Zu schön um wahr zu sein

Das hört sich alles sehr gut an und Monki scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Bezahlbare Mode, die gleichzeitig ethisch hergestellt wird. Doch einen Haken gibt es immer. Seit 2008 gehört Monki zur H&M Group und vertritt, nach eigenen Angaben, die gleichen Werte. Gegen H&M gab es in der Vergangenheit mehrere Vorwürfe der Kinderarbeit und inhumanen Arbeitsbedingungen. Wie z.B. in Myanmar, wie zwei schwedische Autoren in ihrem Buch „Modesklaven“ aufdeckten. 14-Jährige schufteten 14 Stunden am Tag und erhielten dafür nicht einmal den Mindestlohn von 2,48€ pro Tag.

Fabrik Arbeiterinnen bei der Anfertigung (Foto: Martje Theuws / SOMO selection)

Wie vereinbart man Fast Fashion zu günstigen Preisen und fairer Produktion? Dazu sichere Arbeitsbedingungen und Materialien, die gut für die Umwelt sind? In H&Ms Nachhaltigkeitsbericht für 2016 kann man Listen mit den Zulieferern auf der ganzen Welt finden. Selbst Name und Adresse sind hier einsehbar. Hier erfährt man, dass H&M immer noch in hunderten Fabriken in Bangladesh, China und auch Myanmar produziert. Angeblich wurden die Sicherheitsmaßnahmen und Arbeitskonditionen verbessert. Kinderarbeit wird auch nicht mehr geduldet. Ob die vielversprechenden Aussagen aus dem Bericht stimmen und eingehalten werden, ist schwer zu kontrollieren. Man müsste sich die Fabriken wohl mit eigenen Augen anschauen.

Es geht auch anders

Das Berliner Label „Kollateralschaden“ setzt, im Gegensatz zur H&M Group, auf Slow Fashion. Ihr Grundsatz: „öko, fair, lokal!“. Im Atelier in Berlin-Neukölln werden die Sachen nach Bestellung maßangefertigt. Vorgefertigte Größen kann man auch bestellen. Es heißt, wenn eine bestimmte Farbe nicht mehr verfügbar ist, dann ist der Stoff leer und kann erstmal nicht nachproduziert werden. Das verhindert Überproduktion und spart Rohstoffe.

Außerdem verwendet Kollateralschaden nur Stoffe, die mit dem GOTS-Zertifikat versehen sind. Der Garn muss das Ökotex 100-Zertifikat haben. Um die Lebensdauer der Klamotten zu verlängern, gibt es zwei Jahre Garantie. Bei Mängeln werden die Sachen gerne für Ausbesserungen zurückgenommen. Umweltfreundlichkeit hört noch lange nicht bei der Produktion auf, sondern erweitert sich auch auf die Verkaufsstellen und Auslieferung. Alles wird mit Ökostrom aus erneuerbaren Energien betrieben. Essen und Trinken, dass für die Mitarbeiter zur Verfügung steht, ist bio und fairtrade. Versandverpackungen bestehen aus einer Papiertüte und einer Plastiktüte. Diese werden von einem befreundeten Modeladen wiederverwendet.

Noch nicht für alle

Dieser ganze Aufwand, um der Welt etwas Gutes zu tun, macht sich in den Preisen bemerkbar. Bei 100-150€ für ein Kleid oder Pullover überlegt man sich den Kauf genauer. Für jemanden aus der unteren Mittelschicht wahrscheinlich nicht die erste Wahl. Wenn man dafür woanders drei Teile bekommt, muss man entscheiden, wo die Prioritäten liegen. Umweltfreundlichkeit ist bei vielen Konsumenten noch kein Kaufkriterium. Die Nachfrage müsste gesteigert werden, damit auch Großkonzerne wie H&M tatsächlich nachhaltig produzieren und das nicht nur als Marketingstrategie instrumentalisieren, um noch mehr profitieren zu können.

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