100 Jahre Russische Revolution

100 Jahre Revolution (Foto: DHM)

Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich Europa mitten im Ersten Weltkrieg. In Russland entwickelte sich aber auch ein ganz anderer Konflikt – Revolutionäre gegen das System. 1917  eroberte der kommunistische Gedanke, verursacht durch die Revolution, Russland und verbreitete sich daraufhin rasant über den Globus.

Zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution von 1917 zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) vom 15. Oktober 2017 bis 15. April 2018 eine facettenreiche Ausstellung. Informationstexte an den Wänden zeigen, neben dem deutschen Text und der Übersetzung ins Englische, ein Video in Gebärdensprache. Ergänzend eine Version in Brailleschrift und eine Zusammenfassung in Leichter Sprache. Einen Multimedia-Guide gibt es auf Deutsch, Englisch und Russisch.

Über 500 Austellungstücke

Blick in die Austellung (Foto: DHM)

Beeindruckend ist, was das Deutsche Historische Museum über die Zarenfamilie und die danach folgenden Regierungen an geschichtlichem Material zusammengetragen hat. Zu Beginn der Ausstellung sprechen in Kurzfilmen unter anderem der Autor Wladimir Kaminer über seine Meinung zur Russischen Revolution. Auch Wissenschaftler, Politiker, wie Gregor Gysi und andere bekannte Russen kommen zu Wort. Die ausgestellten Objekte reichen von Filmen, Gemälden und Kleidung bis hin zu Schriften Lenins. Angefangen bei der Regentschaft Zar Nikolaus II., über die ersten Demonstrationen, bis hin zur Verbreitung der kommunistische Idee über Europa.Die Ideen Lenins, Marx und anderer Begründer des Kommunismus gaben Hoffnung auf ein vermeintlich besseres und gerechteres Leben. Russland war vor dem Umschwung von der Monarchie geprägt. Im ehemaligen Zarenreich lebten zu Anfang des 20. Jahrhunderts ungefähr 181 Millionen Menschen – eine absolute Großmacht.

Die ausgestellte Kleidung von Bauern, Arbeitern und dem Adel zeigen nicht nur die äußerlichen Unterschiede. Vor allem die Diskrepanz im Lebensstil der Schichten wird drastisch deutlich. Der angestrebte Fortschritt, um mit anderen europäischen Ländern mithalten zu können, ließ die Menschen in Russland völlig zurück. Vor der Abdankung Zar Nikolaus II. wirkt die Monarchie unerschütterlich. Auf ausgestellten Fotos zeigt sich zuletzt aber eine verbannte und exekutierte Familie. Die Revolution war unaufhaltsam. Zu sehr litt das Volk unter Hunger und den schwierigen Lebensbedingungen.

Zar Niklaus II mit seiner Familie, im Hintergrund Karl Marx (Foto: DHM)

Die Gründung der Partei Bund, einer jüdischen Arbeiterpartei, welche Kontakte zu Lenin und Rosa Luxemburg pflegte, legte den Grundstein zum Aufstieg des Kommunismus.

Das Zarenreich ist Geschichte

Mit dem Anhalten des Ersten Weltkriegs gipfelte die Unzufriedenheit der Revolutionäre im Februar 1917 in Straßenrevolten und schließlich in der Abdankung des Monarchen. Sämtliche Symbole der Monarchie wurden in den Straßen zerstört, auf Uniformen durch rote Schleifen ersetzt. Eine Übergangsregierung wurde geschaffen. Diese hielt allerdings nur bis zum Oktober 1917. Wladimir Iljitsch Lenin war eine der Schlüsselfiguren im Kommunismus. Über die Jahre entstand ein regelrechter Kult um ihn, so ist im DHM auch eine Totenmaske von ihm zu sehen.

Wladimir Lenin (Foto: gettyimages.de)

Im Oktober 1917 stürzten die Bolschewiki („Die Mehrheitler“) unter seiner Führung die provisorische Regierung. Eine Litfaßsäule mitten im Ausstellungsraum zeigt die Dekrete der neuen Regierung. Neben der Begrenzung der Arbeitszeiten auf höchstens acht Stunden am Tag und 48 Stunden in der Woche gibt es auch einen Erlass, der die Pressefreiheit radikal beschneidet.

„Jedermann weiß, dass die bürgerliche Presse eine der stärksten Waffen der Bourgeoisie ist. […] Darum sind zeitweilige und außerordentliche Maßnahmen ergriffen worden, um diesen Strom von Schmutz und Verleumdung abzudämmen, in dem die […] Presse gar zu gern den jungen Sieg des Volkes ertränkt hätte.“ Dekret über die Presse, 27. Oktober 1917

Die erste Ministerin der Welt

Alexandra Kollontai (Foto: Library of Congress)

Ein Name springt bei Betrachtung der neuen Regierung besonders ins Auge: Alexandra Kollontai. Sie war die erste weibliche Ministerin weltweit. Hier wird die Stärkung der Frau unter Lenin deutlich. Das Recht zu wählen, das Recht zur Scheidung. Das sind Verdienste der Kommunisten. Ausgestellt ist sogar ein Schachspiel mit weiblichen Figuren.

Noch während des Ersten Weltkriegs bricht in der russischen Sowjetrepublik ein Bürgerkrieg gegen das Regime der Bolschewiki aus. Die Folge ist die Unabhängigkeit von unter anderem Finnland, der Ukraine und der baltischen Staaten. Am Ende steht die Gründung der Sowjetunion im Jahr 1922.Viele Russe fühlten sich gezwungen zu emigrieren und wurden somit Staatenlose. Zumeist Angehörige des Adels, anderer Parteien oder des Militärs, genauso wie Intellektuelle und Juden.Egal ob Tänzerin, Teehändler oder die Mutter des Zaren: Das Deutsche Historische Museum zeigt, anhand von Flüchtlingspässen, Teedosen und Schmuck, ihr Leben im Exil.Die Folgen für die Welt sind bis heute sichtbar. Die ehemalige DDR, China, Kuba und Nordkorea sind Überbleibsel der kommunistischen Bewegung, die einst alles besser machen sollte.

Am Ende bleibt ein Zitat des Satirikers Ephraim Kishon:

„Der Kommunismus ist eine großartige Theorie: Das Unglück bestand darin, dass er sich verwirklichen ließ.“

 

1917. Revolution. Russland und Europa.

Geschrieben von
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